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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

Nachruf aus jüdischer Sicht

Mit Prinz Philips Tod verliert die jüdische Gemeinschaft einen Freund

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Im hohen Alter von 99 Jahren starb Prinz Philip (l.), der Duke of Edinburgh. 74 Jahre war er bis zu seinem Tod mit der britischen Königin Elisabeth II. verheiratet. Foto: © Buddy Bartelsen for British Embassy Berlin

Prinz Philip hatte eine unruhige Kindheit. Als Prinz von Griechenland und Dänemark wurde Philip Battenberg im Juni 1921 im Schloss Mon Repos auf Korfu geboren. Dort wuchs er allerdings nicht auf.1922 floh seine Mutter nach dem Militärputsch in Griechenland mit dem eineinhalbjährigen Philip und seinen vier Jahre älteren Schwestern ins Exil nach Paris. Obwohl die Eltern nie geschieden wurden – sein Vater lebte mit seiner Geliebten bis zu seinem Tod in Monte Carlo, wuchs der kleine Prinz Battenberg – er nannte sich nach seiner Mutter Prinzessin Alice von Battenberg und Griechenland, die aus einer hessischen Adelsfamilie stammte – ohne Vater auf.

 

Da dieser ihn weder aufnahm noch unterstützte und seine Mutter in eine Klinik in Kreuzlingen in der Schweiz überwiesen wurde, kümmerte sich sein Onkel Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma um ihn. In England wurde Prinz Philip von dem jüdischen Pädagogen Kurt Hahn erzogen. Dieser war in den frühen 1930er Jahren vor dem erstarkten Nationalsozialismus nach Großbritannien emigriert. 1934 baute er das Internat „British Salem School“ auf, in der auch Prinz Philip unterrichtet worden war. Zeitlebens blieb ihm Kurt Hahn Mentor und Vorbild. In Hahns Schule, die viele Flüchtlingskinder aufnahm, lehrten auch andere aus Deutschland geflüchtete jüdische Lehrer, die sich das Ziel gesetzt hatten, die progressive Reformpädagogik aus der Zeit der Weimarer Republik fort zu führen. Aus dieser Idee entwickelte sich die heutige internationale Elite-Schule „Gordonstoun“, deren Name nach dem Schloss genannt wurde, in dem sich das Schulgebäude befindet.

 

Während der Zeit des 2. Weltkrieges änderte Prinz Philip, der in der Royal Navy gegen Deutschland kämpfte, seinen Namen Battenberg in die englische Übersetzung Mountbatten, um sich von seiner deutschen Verwandtschaft, von der etliche den Nationalsozialismus unterstützten, auch namentlich zu distanzieren.

 

Seine wieder genesene Mutter Alice kehrte hingegen nach Griechenland zurück. Dort war 1935 die elf Jahre zuvor abgeschaffte Monarchie wieder hergestellt worden. In Athen arbeitete sie beim Roten Kreuz und half jüdischen Familien sich vor den Nationalsozialisten in Griechenland zu verstecken. Im April 1941 hatte die Deutsche Wehrmacht Griechenland erobert und blieb bis Oktober 1944 in dem Land. Die ehemalige Königin Alice rettete persönlich die Familie Cohen, die sie in ihrem Palast untergebracht hatte. Dafür wurde sie posthum von Yad Vashem als eine „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. 1967 musste sie Griechenland nach dem Militärputsch erneut verlassen und übersiedelte in den Buckingham Palast zu ihrem Sohn. Dort starb sie 1969 und wurde, ihrem Wunsch gemäß, nach Israel überführt und in Jerusalem beigesetzt. Während Prinz Philips Israelvisite im Jahr 1994, besuchte er auch das Grab seiner Mutter und pflanzte in Yad Vashem ihr zu Ehren einen Baum. Mit dieser Geste setzte er gleichzeitig ganz diplomatisch ein Zeichen gegen die verhärteten politischen Spannungen zwischen der EU und Israel.

 

„Prinz Philip war ein vollendeter Staatsdiener und wird in Israel und in der ganzen Welt sehr vermisst werden“ kondolierte Benjamin Netanjahu der Königsfamilie und Michael Goldstein, Präsident der United Synagogue lobte im Namen aller britischen Juden sein stetiges „Engagement für die jüdische Gemeinde“, für die er sich mehrfach eingesetzt hatte.  

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