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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

OFFENER BRIEF AN DIE DIREKTORIN DER DOCUMENTA

von Simone Hofmann

Europäischen Zentrums Jüdischer Gelehrsamkeit, Abraham Geiger Institut, Potsdam, Hartmut Bomhoff, Walter Homolka, Skandal, Missbrauch

Trotz frühzeitiger Hinweise lenkte die documenta-Leitung nicht ein.  

Foto Alexander Beygang

Sehr geehrte Frau Dr. Schormann,

 

mit großem Interesse habe ich die Debatte um die Antisemitismusvorwürfe bezüglich der Documenta 15 in den letzten Wochen verfolgt. Allerdings hat mich die Ignoranz mit der man den Vorwürfen begegnet ist, nicht wirklich überrascht. Man hatte stets versprochen, sich den Vorwürfen zu stellen, hat es aber nicht getan. Gestern hat mich dann aber doch Ihr Statement nach der Rede des Bundespräsidenten sehr überrascht.

 

Sie sagten: „Wir nehmen die deutsche Verantwortung sehr ernst und beschäftigen uns auch damit und auch die Künstlerinnen und Künstler haben sich hier damit sehr eng auseinandergesetzt, nur der gesamte Ansatz dieser Documenta ist ja in die Zukunft gerichtet und deswegen ist diese eindeutige Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit an dieser Stelle einfach nicht das Thema gewesen“.

 

Diese Äußerung zeigt mir, dass doch wohl sämtliche Aufklärungsarbeit in der Vergangenheit zumindest an Ihnen spurlos vorbei gegangen ist. Soll es eine Zukunft ohne Israel geben oder gar ohne jüdische Menschen? Die Frage, drängt sich mit mir auf. Alles lässt Interpretationen zu, eben auch Ihre Äußerungen. Niemand verlangt, dass in der Vergangenheit verharrt wird, niemand verlangt, dass auf der Documenta den Opfern der Shoa erinnert wird, aber die moralische Instanz eines jeden Menschen sollte doch da einsetzen, wo eben genau diese Verantwortung, die aus der Vergangenheit resultiert, ad absurdum geführt wird.

 

Sie sagten weiter, dass es um den globalen Süden geht und haben gleichzeitig zwar Palästinenser eingeladen, die ausstellen dürfen, aber schließen bewusst Israel aus. Das können Sie auch damit erklären, dass die Erinnerung an die Shoa nicht das Thema ist. Das ist schlichtweg Blödsinn.

 

Haben Sie denn ernsthaft die Tendenz des Kuratorenkollektivs nicht bemerkt? Es war doch offensichtlich, dass keine einzige künstlerische Stimme aus Israel vertreten ist, palästinensische schon. Schauen Sie sich die Bilder von dem Künstler Mohammed Al Hawajri an, die auch auf Instagram öffentlich zugänglich sind. Da werden Palästinenser als Friedensengel mit Amors Pfeil dargestellt und Israel natürlich in Form eines Soldaten mit Maschinengewehr. Oder Jesus, als Beschützer der Palästinenser gegen die israelische Armee. Was soll das sein, wenn nicht purer Antisemitismus.

 

Ist Ihnen entgangen, dass hier das Verhältnis nicht stimmt? Wie viele unschuldige Menschen gehen auf das Konto radikal palästinensischer Terroristen - alles vergessen – nur auf die Zukunft ausgerichtet? Wenn schon politisch, dann bitte jeder Seite die Möglichkeit geben, ihre Sicht der Dinge zu zeigen. Genau das passiert hier aber nicht.

 

In seiner Serie Guernica Gaza, erweckt Mohammed Al Hawajri bewusst mit klassischen Bildern namhafter Künstler Eindrücke, die Angriffe der israelischen Armee auf das Palästinensergebiet zeigen. Sie lassen es bewußt zu, dass die Documenta zu Propaganda Zwecken benutzt wird und das mit unseren Steuergeldern finanziert. Für mich ist das nicht nur Antisemitismus sondern antisemitische Hetze der übelsten Form. Warum von israelischer Seite keine Feuerdrachen zeigen, die von Gaza nach Israel geschickt werden u.v. m? Wäre doch auch Kunst im weitesten Sinne, um es überspitzt auszudrücken.

 

Sie sehen, die Freiheit der Kunst hört da auf, wo die moralische Instanz eines jeden Menschen, die Freiheit der anderen beschnitten sieht. Sie weisen die Antisemitismusvorwürfe von sich, allerdings bleiben diese im Raum stehen. Die Vorwürfe bewegen sich nicht – sie konnten nichts entkräften, nichts entgegensetzen und machen dann ein Statement, das eine unglaubliche Ignoranz offenbart. Das war von Ihnen vielleicht nicht gewollt oder beabsichtigt, aber gesagte Worte, sind nun einmal gesagt. Und nun komme ich am Ende des Briefes wieder zu den Anfängen desselben.

 

Sie haben überhaupt nichts begriffen, sie haben nicht begriffen worum es eigentlich geht.

Mit freundlichem Gruß

Simone Hofmann

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Deutsche Bahn, Holocaust, Aufarbeitung, Zug des Lebens, Vergangenheitsbewältigung, Shoah, Zeitzeugen

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