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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

PORTRÄT: BAIT JAFFE KLEZMER ORCHESTRA

IM SCHÖNEN HAUS – JÜDISCHE MUSIK AUS DER SCHWEIZ

von Dr. Bertram Nickolay

Die Schweiz – viele Menschen verbinden mit ihr die Berge, saubere Luft, Schokolade oder das Bankgeheimnis. Am wenigsten assoziiert man die Alpenrepublik jedoch mit Musik, die mehr oder weniger bewusst an jüdische Traditionen anknüpft.

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Klezmer by Bait Jaffe bewegt sich auf Grund seiner improvisatorischen und innovativen Fähigkeiten in Richtung einer „neuen jüdischen Musik“. Foto Bait Jaffe

Dabei ist das bereits im Jahr 1993 gegründete Bait Jaffe Klezmer Orchestra eine Entdeckung im wahren Sinn des Wortes und der Name ist Programm: Bait Jaffe – ein schönes Haus, im Jiddischen „A schejn bejss“, kann im weitesten Sinn als Ort des Lebens angesehen werden, an dem gelacht und geweint, aber auch gestritten und gebetet wird, ein Ort, wo das Alte und das Neue aufeinanderprallen. Die Bezeichnung „Klezmer Orchestra“ ist historisch dem Klezmer Revival der 1990er Jahre geschuldet und wird der einzigartigen Verbindung – auch im internationalen Maßstab – von Klezmermusik im ursprünglichen Sinn, der Intepretation jiddischer Lieder, des Einbezuges synagogaler Kantoralmusik („As a Chasn bagejgent die Klezmorim) und zeitgenössischer Musik wie dem Jazz nicht ganz gerecht. Klezmer by Bait Jaffe bewegt sich auf Grund seiner improvisatorischen und innovativen Fähigkeiten in Richtung einer „neuen jüdischen Musik“.

 

Bait Jaffe – Schönes Haus steht aber auch für die Gründer der Gruppe und deren bewegende Familiengeschichte: Die Brüder David und Sascha Schönhaus sind die Gründer der Gruppe und ihr Familienname auf Hebräisch wurde der klug gewählte Name der Gruppe. Beide sind die Söhne von Cioma Schönhaus, der als Kind russischer Juden im ostjüdischen Milieu des Berliner Scheunenviertels aufwuchs – mit jiddischen und russischen Liedern seiner Eltern und Großeltern. Die Familie von Cioma Schönhaus wurde in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet, er konnte 1942 in Berlin untertauchen und verhalf als „Passfälscher“ hunderten von Todgeweihten zur Flucht ins Ausland. Cioma’s Überleben als 20-jähriger Jude in der Nazi-Hölle und wie er sich mit Mut, Einfallsreichtum und oft sogar mit Witz gegen seine Verfolger durchsetzen konnte, ist im international bekannt gewordenen Kinofilm „Die Unsichtbaren“ für die Nachwelt in herausragender Weise dokumentiert worden.

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Cioma Schönhaus arbeitete während der NS-Zeit als Passfälscher und konnte so vielen Todgeweihten zur Flucht ins Ausland verhelfen. Seine Lebensgeschichte griff der Film „Die Unsichtbaren“ auf. Foto Privat

Das Einzige, was Cioma Schönhaus im Jahr 1943 bei seiner Flucht mit dem Fahrrad aus Berlin in die Schweiz in Gedanken von seiner Familie mitnehmen kann, sind die Lieder. Eines dieser Lieder – Oif’m Pripetschok – wird dann auch zum Titel und programmatischen Schwerpunkt der ersten CD mit den melancholischen Liedern und Melodien aus der versunkenen Welt des jüdischen Shtetls Osteuropas. Es ist ergreifend, wie Cioma dieses Lied über die Erinnerung an alle Wechselfälle des Lebens singt – er singt es so, wie sein Vater ihm das Lied im „shtetl-milieu“ des Berliner Scheunenviertel vorgesungen hat. Somit war es naheliegend, dass Cioma auch seinen Kindern bei Spaziergängen und bei Autofahrten in der Schweiz diese Lieder vorsang. Dadurch wurde Sohn David, der studierte Kontrabassist, inspiriert, anknüpfend an diese Tradition „doyres“ gemeinsam mit seinem Bruder Sascha, dem Saxofonisten und Klarinettisten, im Jahr 1993 eine Klezmerband zu gründen. Kurze Zeit später kam Andreas Wäldele dazu, der mit seinem virtuosen Geigen- und Mandolinenspiel die Musik der legendären klezmorim Osteuropas wieder auferstehen lässt. Vervollständigt wird der Klangkörper des „Bait Jaffe“ durch Piano und Akkordeon – seit 2008 brillant und vielfarbig gespielt von Niculin Christen.

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