Anzeige

Eine großartige Erzählerin und Übersetzerin

Zum Tode von Mirjam Pressler sel. A.

Mirjam Pressler, Beltz Verlag

Nach langer und schwerer Krankheit starb die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler sel. A. am 16. Januar 2019 in Landshut. Sie wurde 78 Jahre alt. Bereits mit ihrem Erstlingswerk, dem 1980 erschienen Jugendroman „Bitterschokolade“, erreichte sie die hohe Auflage von 400.000 Exemplaren. Rund 50 Bücher schrieb Mirjam Pressler, die zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Kinderbuchautorinnen zählt. Sie schrieb unter anderem über Anne Frank, „Nathan und seine Kinder“ oder „Golem, stiller Bruder“. Meist erschienen ihre Werke im Beltz & Gelberg-Verlag, aber auch, wie zum Beispiel „Shylocks Tochter“, im Ariella-Verlag, für den sie eine Reihe von Kinderbüchern israelischer Autoren herausgab. In dieser Zeit transkribierte sie Leah Goldbergs „Zimmer frei im Haus der Tiere“ oder Yael Molchadskys „Wie das Chamäleon Noahs Arche rettete“ aus dem Hebräischen ins Deutsche.

 

Rund 500 Werke übersetzte Mirjam Pressler in ihrem Leben, darunter auch Bücher von Amos Oz, mit dem sie eine enge Freundschaft verband, sowie von Aron Appelfeld, Lizzie Doron, Batya Gur, David Grossman und anderen, deren Arbeiten erst durch sie im deutschsprachigen Raum bekannt wurden. Sie selber schrieb auch Kriminalromane, wie „Mit 64 stirbt man nicht“ oder Gedichte, wie den im Beltz & Gelberg Verlag erschienen Band „Guten Morgen gute Nacht“.“

 

Der Erfolg wurde Mirjam Pressler nicht in die Wiege gelegt. Geboren als uneheliche Tochter einer jüdischen Mutter wuchs sie im Heim und bei Pflegeeltern auf, lebte eine Zeit in einem Kibbuz, heiratete einen israelischen Mann und wurde Mutter von zwei Töchtern. Nach ihrer Scheidung kehrte sie 1970 nach Deutschland zurück. In München schlug sie sich als Taxifahrerin durch, verkaufte dann im eigenen Geschäft Jeanshosen, bis sie Konkurs machte und sich dann endgültig auf die Arbeit als Übersetzerin und Schriftstellerin konzentrierte.

 

Für Ihr Lebenswerk, zu denen viele Geschichten über die Schoa und das jüdische Leben in Deutschland zählen, erhielt Mirjam Pressler wichtige Auszeichnungen. Ein Jahr vor ihrem Tod auch das Große Bundesverdienstkreuz „als Anerkennung für ihren herausragenden Einsatz für die Völkerverständigung, insbesondere zwischen Israel und Deutschland sowie die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht“.

 

Wie der Verlag Beltz mitteilte, wird im März postum ihr Roman „Dunkles Gold“ erscheinen, in dem sie einen Bogen von den Pestpogromen im Mittelalter bis zu aktuellen antisemitischen Entwicklungen in Deutschland schlägt.

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige