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Juden in der AfD: Ein PR-Coup der Rechtspopulisten

Der Arbeitskreis „Juden in der AfD“ sichert der Partei Wochen medialer Aufmerksamkeit – dabei ist die Bedeutung des Arbeitskreises marginal.

Juden in der AfD, Arbeitskreis, Alternative für Deutschland

Die Gründung des sogenannten Arbeitskreises „Juden in der AfD“, die heute (7.Oktober 2018) in Wiesbaden stattfindet, wird seit etwa zwei Wochen medial kontrovers diskutiert. Laut Angaben der Initiatoren wird mit etwa 20 Mitgliedern gerechnet – von denen nicht klar ist, wie viele tatsächlich jüdisch sind. Die enorme Aufmerksamkeit, die das Thema in Medien und sozialen Netzwerken genießt, kritisiert Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, als unverhältnismäßig: „Zur jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gehören etwa 190.000 Menschen – diese Initiative ist also allenfalls eine Randerscheinung. Die AfD ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Dass Jüdinnen und Juden – wie andere Minderheitengruppen auch – nicht immun gegen rassistische, muslimfeindliche, homophobe oder andere menschenverachtende Positionen sind, ist nicht überraschend.“ Viel erstaunlicher ist es, wie aufgeregt das Thema in den Medien und sozialen Netzwerken thematisiert wird, so Mendel weiter: „Mit provozierenden Aussagen wie etwa der, dass die AfD die einzige Partei sei, die muslimischen Judenhass thematisiere, ohne ihn zu verharmlosen, hat die AfD erneut einen PR-Coup gelandet.“ Gerade in Zeiten des Rechtsrucks ist es wichtig, dieser PR-Strategie der Rechtspopulisten kritisch zu begegnen.

 

Obwohl die Diskussion um „Juden in der AfD“ der Partei erneut massive Aufmerksamkeit verschafft, sind dadurch auch Gegenpositionen deutlich geworden. Diverse jüdische Initiativen und Einzelpersonen haben sich kritisch zur Gründung dieses Arbeitskreises geäußert. „Die AfD ist antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal“, heißt es etwa in der gemeinsamen Erklärung des Zentralrats der Juden in Deutschland und 16 weiterer jüdischer Verbände. Die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) hat in Frankfurt am Main zur Demonstration „Diese Alternative ist nicht koscher“ eingeladen.

János Erkens, Bildungsstätte Anne Frank e.V. Zentrum für politische Bildung und Beratung

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