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Potsdam zeigt einen wenig bekannten Aspekt jüdischer Geschichte

„zwischen/raum – Jüdisches Hachschara- und Zwangsarbeitslager Neuendorf im Sande 1932–1943“

Haschara, Landtag Brandenburg
Blick ins Foyer während der Ausstellungseröffnung. Quelle: Landtag Brandenburg

Im Foyer des Brandenburger Landtages in Potsdam ist gegenwärtig eine zwar sehr kleine, aber dennoch bemerkenswerte Ausstellung zu sehen. Ausgeschnittene großformatige Fotos von 16 jüdischen Männern und Frauen, die als Jugendliche im Hachschara Landwerk Neuendorf ausgebildet worden waren, wecken die Neugier auf kleine historische Fotos an den Wänden, die einen Einblick in das Leben und die Arbeit in dieser Ausbildungsstätte der Chaluzbewegung ermöglichen. Da nur wenige Dokumente erhalten sind, kamen die Grafiker auch auf die Idee einige Bilder zu kopieren und dann ausgeschnitten in Form einer Montage räumlich darzustellen. „Geschichte, die uns alle betrifft, wurde sehr anschaulich gemacht“ lobt Oder-Spree-Landrat Rolf Lindemann die vom Verein „Kulturscheune Neuendorf am Sande“ erarbeitete Ausstellung „zwischen/raum – Jüdische Hachschara- und Zwangsarbeiterlager Neuendorf am Sande 1932-1943“.

 

Mitte der 20er Jahre gründete die neue Hechaluzbewegung Lehrstätten auf dem Land mit dem Ziel dort junge Juden, die nach Erez Israel einwandern wollten, in landwirtschaftlichen Berufen, sowie in der Milchwirtschaft und Geflügelzucht auszubilden. Angeboten wurden auch ein Abschluss als Fleischer, Schuster, Stellmacher, Bäcker oder Tischler. Oft waren die jüdischen Ausbildungsstätten die einzige Möglichkeit für junge Juden in dieser Zeit eine Berufsausbildung zu erhalten. Nicht alle Teilnehmer kamen mit dem Vorsatz eine neue Existenz in Erez Israel aufzubauen oder überhaupt Deutschland zu verlassen. Wer in einem assimilierten Haushalt aufgewachsen war und auch keiner jüdischen Jugendorganisation angehörte, glaubte hier einen Grundstock für ein weiteres Leben in Deutschland zu erhalten. Diese Einstellung wurde auch durch die Unterstützung des „Freiwilligen Hilfswerks“ unterstützt, der allerdings innerhalb der jüdischen Gemeinden sehr kritisch gesehen wurde.

 

1932 begann das jüdische Landwerk „Neuendorf“ mit der Ausbildung, die auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten weitergeführt wurde. Sie förderten – ein Treppenwitz der Geschichte – vor allem den Auswanderungsgedanken ins britische Mandatsgebiet Palästina, und hofften so Deutschland „judenrein“ zu bekommen und gleichzeitig dem britischen Empire schaden zu können, während Juden generell von allen anderen Ausbildungsmöglichkeiten im Deutschen Reich ausgeschlossen waren.

 

1936 gab es rund 5.000 Jugendliche in den vier deutschen Haschara-Ausbildungsstätten, darunter auch im Landwerk Neuendorf. Nach der Ausbildung gingen die meisten Jugendlichen nach Erez Israel oder Argentinien. Doch 1941 endete alles abrupt. Die Nationalsozialisten verboten auch die Berufsausbildung in Neuendorf und machten aus der Hachschara-Einrichtung erst ein Arbeitslager und anschließend eine Sammelstelle für Deportationen. Nur wenige Juden überlebten. Zu ihnen gehörte Hans Rosenthal, der später als Showmaster bekannt wurde oder die „Rapperin gegen Rechts“ Esther Bejarano.

 

Die Ausstellung, die vom Brandenburger Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski, Oder-Spree-Landrat Rolf Lindemann und Arnold Bischinger von der „Kulturscheune Neuendorf im Sande e. V.“ eröffnet wurde, ist noch bis zum 3. Januar 2019 im Foyer des Brandenburger Landtags zu sehen.( Montags bis Freitags von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr. An gesetzlichen Feiertagen bleibt sie geschlossen) Davor wurde dieser Aspekt jüdischer Geschichte, dessen Aufarbeitung erst in den 1980er Jahren begann und noch nicht abgeschlossen ist, bereits als Ausstellung des Vereins „Kulturscheune Neuendorf im Sande“ eröffnet und in Hannover der Öffentlichkeit präsentiert.

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