Anzeige

Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

WIZO FÜR DIALOG STATT BOYKOTT

AUSSTELLUNG DEUTSCHER UND ISRAELISCHER GEGENWARTSKUNST

Im Spannungsfeld wachsenden Antisemitismus an akademischen Einrichtungen eröffnet die „Jüdische Kunstschule Berlin“ kreative Zufluchtsorte, in denen Identität, Mut und künstlerische Freiheit sich frei entfalten kann.

Michel Friedman, Fremd, Berlin Verlag, Spiegel Bestseller, Bestseller, Kindheit, Piper Verlag, Gaby Gerster

WIZO Deutschland- und WIZO Frankfurt-Präsidentin Nicole Faktor (4. v. l.), gemeinsam mit den Künstler*innen und Ausstellungs­­organisatoren. Foto Alexander Beygang

Kaum ein Bereich spiegelt gesellschaftliche ­Spannungen so unmittelbar wie die Kunst. Sie kann Brücken ­schlagen – und zugleich zum Vehikel für antisemitische Ausgrenzung werden, wie zahlreiche Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart verdeutlichen.

 

Als „Schande für Europa“ bezeichnete Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Ausladung des Münchner Kammer­orchesters durch das belgische „Flanders Festival“. Die Teilnahme des international renommierten Orchesters in Gent war lange geplant, erst kurz vor der Aufführung erfolgte die Absage. Als Vorwand diente den Organisatoren der neue Chefdirigent Lahav Shani, zugleich Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra. Weil er sich nicht öffentlich gegen die Politik Israels ausgesprochen und keine klare Stellung zum Krieg in Gaza bezogen habe, könne man „mit solchen Partnern“ nicht zusammenarbeiten, hieß es zur Begründung. Der Fall Lahav Shani steht dabei nicht isoliert. Auch wenn die Absage in Belgien besonders deutlich hervorsticht – sie ist nur einer von vielen Vorfällen, die zu einer insgesamt düsteren Stimmung beitragen.

 

In Spanien durften israelische Künstler in Barcelona nicht am „Festival Sónar“ teilnehmen. In der Türkei wurde der Auftritt des französischen Sängers Enrica Marcia von den Behörden wegen seiner pro-israelischen Haltung verboten, und Italien schockierte mit dem Boykott gegen die international bekannte Schauspielerin Gal Gadot, die den Filmfestspielen in Venedig fernbleiben musste, während pro-palästinensische Proteste gegen Israel wohlwollend geduldet wurden. Weltweit wächst die Anzahl der für die Kulturpolitik verantwortlichen Beauftragten – und Ministern, die für den Boykott israelischer Kulturschaffender eintreten. Umso wichtiger erscheinen heute Initiativen, die im Klima wachsender Ablehnung gegenüber israelischen Kulturschaffenden den Dialog fördern und den kulturellen Austausch bewusst stärken.

 

In Frankfurt am Main wurde in den Räumen der Heusenstamm-Stiftung eine Ausstellung mit Arbeiten von israelischen Künstlerinnen und Künstlern eröffnet, die in Tel Aviv-Yafo und in Deutschland leben. „Es gibt keinen stärkeren Weg, ­Herzen zu öffnen und Menschen einander näher zu bringen, als durch die Kunst“, betonte Oberbürgermeister Mike Josef bei der ­Präsentation der Kunstwerke aus Frankfurts Partnerstadt.

 

Nach wie vor pflegen Frankfurt und Tel Aviv ihre freundschaftliche Beziehungen – im internationalen Kontext ist das bereits eine Besonderheit. Doch nur im konstruktiven Austausch, kann ein Dialog entstehen. Die „direkte Begegnung vor Ort, der Austausch mit anderen Künstler­innen und Künstlern und dem Publikum kann gerade vor dem Hintergrund der aktuell furchtbaren Situation in Israel und im Nahen Osten vielleicht einen kurzen Moment der Ruhe und des Durchatmens ermöglichen“, gibt Frankfurts Kultusdezernenten Ina Hartwig zu bedenken. Auch diese Form der Unterstützung Frankfurts für Tel Aviv-Yafo stärke Israel „in einer der dunkelsten und schwierigsten Zeiten seit der Staatsgründung“, dankte Revital Ben-Asher, Kulturberaterin des Bürgermeisters von Tel Aviv, die zusammen mit den Künstler­innen und Künstlern nach Deutschland gereist war.

 

Zustande kam die Ausstellung vor allem durch das Engagement der WIZO, die in der Stadt Frankfurt am Main, der Heusenstamm-Stiftung sowie der Tel Aviv Foundation Partner für dieses Projekt fand. „Will There Ever Be Days?“, ein Gedicht von Lea Goldberg, die in Israel als Ikone der Dichtkunst verehrt wird, diente als Inspiration für den Ausstellungstitel. Lea Goldberg, die seit ihrer Aliya im Jahr 1935 in Tel Aviv lebte, bekam hautnah die politischen und militärischen Spannungen mit allen Kriegen und Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern mit. Ihre Lyrik sind jedoch weder Kriegs- noch Propagandagedichte, sondern vielmehr drückte sie die Hoffnung nach menschlicher Wärme, Frieden und Liebe trotz aller grausamen Erfahrungen aus. Und genauso empfinden auch heutige Künstler*innen. Viele Blumendarstellungen sind zu sehen, als Fotografie, Aquarell oder in Öl gemalt, die ganz unterschiedliche Aussagen haben. Die Rosen von Nurit Yarden erinnern an den Schabbat. Jede Woche kauft sie als Symbol der Hoffnung und Reminiszenz an die Existenz des bereits über dreitausend Jahren existierenden jüdischen Volkes, das alle Anfeindungen überstand. In den Arbeiten von Dina Shenhavs sprießen die Blumen aus einem „Mountain“. Kraftvoll trotzen die Pflanzen dem Berg, leisteten Widerstand und geben nicht nach. In dem allegorischen Ölbild „Untitled“ des Palästinensers Karim Abu Shak, der im Norden Israels in der arabisch geprägten statt Umm el-Fahem lebt, dem kulturellen Zentrum einer arabisch-israelischen Gemeinschaft, wachsen Blumen in einem Tontopf. Auch sie kämpfen um das Überleben. Jede ausgestellte Arbeit der jüdischen und arabischen Künstler Israels zeigt eine ganz persönliche Interpretation des Lebens in Israel, und ist erst nach längerer Beschäftigung mit dem Werk zu verstehen. Allen gemeinsam ist jedoch ein Optimismus, der poetisch und versteckt in einer oft hybriden Bildsprache artikuliert wird verbunden mit der Hoffnung auf eine besseren Zukunft.

Anzeige

Anzeige

KKL, Keren Kayemeth Leisrael, Jüdischer Nationalfonds, KKL Frankfurt, KKL Deutschland, Testament, Israel

Anzeige


Anzeige

Anzeige

Anzeige