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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

„HEIDI IN ISRAEL“

EINE AUSSTELLUNG IM JÜDISCHEN MUSEUM MÜNCHEN

Kein anderes Kinderbuch ist in Israel so erfolgreich wie „Heidi“. 1946 wurden beide Kinder- und Jugendromane der Schweizer Autorin Johanna Spyri zum ersten Mal in hebräischer Übersetzung gedruckt, seitdem kennt in Israel so gut wie jeder dieses Buch.

Prof. Dr. Ladislaus Löb, Zürich, Rezsö Kasztner, Yad Vashem, Gamaraal Foundation

01 „Heidi“-Ausgabe von 1957/58, Heidi Bat HeHarim (Heidi, Tochter der Berge), Illustration: Arie Moskowitsch, Tel Aviv, Verlag Amichai. 

02 Umschlag der hebräischen „Heidi“- Erstausgabe von 1946, Heidi Bat haAlpim, Umschlagszeichnung Moshe Matusovski, Heidi-Archiv, Heidiseum.

Mit dem riesigen Erfolg hatte Johanna Spyri nicht gerechnet. Der Erfolg ihrer beiden 1880-1881 geschriebenen Werke überraschte die 1907 verstorbene Autorin, erzählte sie einmal in einem Interview. Inzwischen wurden ihre Bücher in 70 verschiedenen Sprachen übersetzt. In der NS-Zeit empfahlen die Nationalsozialisten „Heidi“ aufgrund der Heimatverbundenheit des Mädchens als lesenswertes Kinder- und Jugendbuch.

 

Jüdische Kinder und ihre Erzieher entdeckten in den beiden Werken „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ eine völlig andere Perspektive. In der NS-Zeit waren viele Kinder und Jugendliche durch Kinder-Verschickungen und Jugendaliya in das damalige Palästina vor dem sicheren Tod gerettet worden. Sie fanden vorwiegend in den Kibbuzim eine neue Heimat. Den Eltern hingegen gelang die Flucht meist nicht mehr, sie wurden erschossen oder starben in den Konzentrationslagern. Viele Kinder wurden Waisen. Die Entbehrungen und Erfahrung des Waisenkindes Heidi konnten die jungen Leser gut nachvollziehen, ihre Sehnsucht nach den heimatlichen Bergen, den Verlust geliebter Menschen und der Familie, das Gefühl des Fremdseins, sich anpassen müssen in einer ungewohnten Umgebung aber auch die neuen Freundschaften und der Zusammenhalt in einer neuen Gemeinschaft. Jüdische Kinder konnten sich in den beiden „Heidi“-Büchern gut wiederfinden. Das kleine Mädchen ist eine hartnäckige Kämpferin, die sich nicht unterkriegen lässt. Sie trifft den Großvater wieder, der durch sie neuen Lebensmut fasst und wenn mal etwas schief läuft, kann niemand dem kleinen lebenslustigen Geschöpf lange böse sein. Mit ihrer vertrauensvollen Art, der reinen Seele, erobert sie die Herzen. Ihr scheint alles zu gelingen, sogar die Lähmung ihrer Freundin Klara besiegen sie gemeinsam. Heidis Optimismus, ihr Mut, sind Eigenschaften, die ein Vorbild für Generationen junger Israelis waren und bis heute sind. So wurde die von der Schweizerin Spyri geschriebenen „Heidi“-Romane auch Teil der zukunftsorientierten zionistischen Jugendliteratur.

1946 schenkte Max Brod, dem es gelang von Prag nach Tel Aviv zu flüchten, der Tochter seiner Sekretärin zwei „Heidi“-Bände. In Ivrith schrieb er eine Widmung hinein. Diese und viele andere Exponate, zeigt gegenwärtig eine sehr interessante Ausstellung im Jüdischen Museum München, die zuvor in Zürich zu sehen war. Plastisch gegenständlich veranschaulicht die Ausstellung „Heidis“ Wandel im Laufe der Zeit, von den frühen Aufbruchjahren bis in die Gegenwart. Erwähnenswert ist der in Buchform vorliegende Katalog mit detaillierten Ausführungen über die „Heidi“-Rezeption von ihren Anfängen bis heute.

 

Die Ausstellung wird bis zum 16. Oktober 2022 in München gezeigt.

03 Heidi in Israel, Katalog zur Ausstellung, Wehrheim Verlag, 262 Seiten, Preis: 22,00€ [D], 22,70 € [A]

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