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MUSEUMSDIREKTOR ODER DIREKTORIN GESUCHT

ZUR CAUSA JÜDISCHES MUSEUM BERLIN

Seit Wochen steht das Jüdische Museum Berlin in der Kritik. In Ausstellungen wie in Handlungsweisen des Direktors Prof. Dr. Peter Schäfer tendierte das Haus zu einem Museum überJuden aus einem Blickwinkel der Mehrheitsgesellschaft, die ihre Meinung über Israel, die Palästinenser und die Last der Geschichte aus ihrer Sicht in alles Jüdische projiziert. Nach anhaltendem Protest trat der Direktor von seinem Amt zurück.

Jüdisches Museum Berlin, Libeskind Bau
Jüdisches Museum Berlin mit dem Libeskind Bau.                                 Foto: Marek Sliwecki

Ich erinnere mich noch sehr gut an die hitzigen Debatten über ein neues Jüdisches Museum in Berlin. Als ich Ende der 80er Jahre Mitglied der „Gesellschaft für ein Jüdisches Museum Berlin e.V.“ wurde, plädierte die Mehrheit noch für eine Sonderabteilung innerhalb des „Berlin Museums“. Die ehemals reichhaltige jüdische Kultur sollte als Teil der Stadtgeschichte in die allgemeine Konzeption eingegliedert werden. Und so kam es, dass der Berliner Senat nach der Wiedervereinigung zwar dem Bau eines neuen Museums zustimmte, jedoch sollte das Berlin Museum darin einziehen. Für das „Jüdische Museum“ war lediglich eine Abteilung eingeplant, der zwar eine gewisse Eigenständigkeit und auch eigene Ausstellungsräume zuerkannt wurde, die sich aber dennoch unter dem Dach eines anderen Museums befinden sollte, von der es auch finanziell abhängig war. Im Depot befanden sich schon damals viele jüdische Objekte. Als nach dem Fall der Mauer auch die Bestände des Ostberliner Märkischen Museums eingegliedert werden sollten, gab es erneut heftige Diskussionen. Dazu kamen dann noch zahlreiche Schenkungen ehemals vertriebener und teilweise zurückgekehrter Berliner Juden und Jüdinnen, die kulturhistorisch interessante Objekte und wertvolle Gegenstände spendeten. Der Fundus war voller Exponate und drohte überzuquellen.

 

Doch die Kontroversen blieben und wurden immer heftiger ausgetragen. Noch 1997 musste der israelische Historiker und Kurator Amnon Barzel, der zum Leiter der „Abteilung Jüdisches Museum“ als Direktor berufen war und sich für ein neues Überdenken der geplanten Museumskonzeption und für eine finanzielle wie administrative Eigenständigkeit einsetzte, auf Verlangen des Berliner Senats, seinen Hut nehmen, gerade mal nach einer dreijährigen Amtszeit. Seine ungerechtfertigte Entlassung, die auch die jüdische Gemeinde zu Berlin heftig kritisierte, schlug international große Wellen. Knapp zehn Jahre zuvor war 1988 bereits das erste Jüdische Museum Deutschlands nach dem Krieg eröffnet worden, nicht in Berlin, sondern in Frankfurt am Main. Endlich konnte sich auch der Förderverein der „Gesellschaft für ein Jüdisches Museum Berlin e.V.“, der ich und auch weitere Journalisten beigetreten waren, unter Leitung von Hanns-Peter Herz und Heinz Galinski die Berliner Kulturverwaltung und den Senat für die Errichtung eines selbständigen Berliner „Jüdischen Museums“ überzeugen, das dann am 9. November 2001 feierlich eröffnet wurde. Man hatte begriffen, dass die Geschichte der Juden nicht aus der Sicht der Mehrheitsgesellschaft gezeigt werden sollte, wie bisher vorgesehen, sondern aus Sicht der immer wieder verfolgten und gedemütigten Minderheit, die dennoch Großartiges zur deutschen Wissenschaft und Kultur beigetragen hat.

 

Heute ist das Berliner Jüdische Museum, das inzwischen größte jüdische Museum Europas, eine bundeseigene Stiftung des öffentlichen Rechts. Das bedeutet, dass es neben Spenden und selbst erwirtschafteten Einnahmen aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit rund dreiviertel ihres Gesamtbudgets finanziert wird. Zweck der vom Deutschen Bundestag 2001 verabschiedeten „Stiftung Jüdisches Museum Berlin“ ist „jüdisches Leben in Berlin und in Deutschland, die von hier ausgehenden Einflüsse auf das europäische und das außereuropäische Ausland sowie die Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und nichtjüdischer Kultur zu erforschen und darzustellen, sowie einen Ort der Begegnung zu schaffen“. Ein Stiftungsrat, der von dem Bundespräsidenten alle fünf Jahre neu berufen wird, sowie der ihn unterstützende Beirat, soll dem Museum mit fachlicher Kompetenz beiseite stehen. Und genau daraus können sich neue Probleme entwickeln. Sieht man sich die heutige Zusammensetzung an, so sind neben der Vorsitzenden Staatsministerin Prof. Dr. Monika Grütters von den neun Mitgliedern nur Milena Rosenzweig-Winter und Prof. Dr. Yfaat Weiss jüdisch und von den neun stellvertretenden Mitgliedern vertritt lediglich der Geschäftsführer des Zentralrates der Juden in Deutschlands Daniel Botmann die jüdische Sicht. Entgegen der ursprünglichen Forderung, dass gerade jüdische Menschen sich in dem Museum wiedererkennen, und ihre Befindlichkeiten und Ansichten der nichtjüdischen Welt durch Ausstellungen und Veranstaltungen des Museums verständlich gemacht werden sollten, wurde unter Leitung des letzten Museumsdirektors Prof. Dr. Peter Schäfer verstärkt eine nichtjüdische Sicht auf politische Ereignisse als „jüdische Ansichten“ dargeboten. Es brauchte erst die geballte Kritik jüdischer Zeitschriften, des Zentralrates sowie zahlreicher Proteste jüdischer Organisationen und Einzelpersonen, bis der Stiftungsrat sowie dessen Vorsitzende Ministerin Grütters die Brisanz der politischen Fehleinschätzungen des Museums erkannten. Prof. Dr. Peter Schäfer ist ein guter Wissenschaftler und Judaist. Doch ist das allein nicht genug, um ein jüdisches Museum dieser Größenordnung zu führen. Ein solches Haus sollte unbedingt jemand leiten, der fähig ist, vor allem die jüdische Perspektive zu repräsentieren und reflektieren. Nach vielen öffentlichen Debatten trat Prof. Dr. Peter Schäfer zurück. Gegenwärtig wird das Jüdische Museum vom bisherigen nichtjüdischen Geschäftsführenden Direktor Martin Michaelis geleitet. Ihm zur Seite steht der 75-jährige Historiker Christoph Stölzl, ein erfahrender Museumsmann und Politiker, der seinen Posten ehrenamtlich betreibt.

 

Jetzt wird nach einem neuen Direktor oder einer neuen Direktorin gesucht, die dann im Herbst 2020 die Leitung des Berliner Jüdischen Museums übernehmen wird. Dafür setzte der Stiftungsrat eine Findungskommission ein. Sehe ich mir die personelle Zusammensetzung an, staune ich sehr. Neben dem Kultursenator und Vertreter des Landes Berlin Klaus Lederer und der römisch-katholischen Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters wurden auch Dr. Josef Schuster, der Historiker Prof. Dr. Raphael Gross, Michael Blumenthal und Buchhändlerin Rachel Salamander als jüdische Vertreter berufen. Stephan Steinlein, der Chef des Bundespräsidialamtes vertritt die nichtjüdische Seite wie auch der Archäologe und Präsident des Deutschen Museumsbundes Prof. Dr. Eckart Köhne. Gleichzeitig ist Köhne auch der Direktor des Badischen Landesmuseums, in dem vor zwei Jahren eine Ausstellung über den Pharao Ramses II. gezeigt wurde, und zwar ganz im Sinne palästinensischer Propaganda. In der Ausstellung wurde mehrfach im Zusammenhang von den Feldzügen Ramses II. und seinem Kampf gegen die Hethiter von palästinensischen Küstenstädten und palästinensischen Gebieten gefaselt, durch die die ägyptische Armee zog, beziehungsweise eroberte. Die zum Staatenbund der Philister gehörende frühere kanaanitische Stadt Aschkelon wird kurzerhand zur Hafenstadt Südpalästinas gemacht. Mahmud Abbas und die Hamas mögen sich über diese Sicht gewiss gefreut haben, wird doch die palästinensische Seite nicht müde, ihre Gebietsansprüche auf diese Geschichtsfälschung zurück zu führen. Der auf Altertum spezialisierte Historiker Prof. Dr. Köhne hätte das eigentlich wissen müssen. Stellt sich doch nun auch die Frage, wieso gerade er in die Findungskommission für den neuen Direktor des Jüdischen Museums Berlin berufen wurde.

 

Was ich vermisse, sind jüdische Museumsfachleute. Dr. Hanno Loewy zum Beispiel, der nicht nur Direktor des Jüdischen Museums Hohenems in Österreich, sondern auch Präsident der Vereinigung Jüdischer Museen Europas ist, hat sich in letzter Zeit immer wieder zur Definition und Problematik eines „Jüdischen Museums“ geäußert, zuletzt in einem in der FAZ gedruckten umfangreichen Beitrag. In Deutschland gibt es mehrere große und auch kleinere jüdische Museen, wie auch in Wien oder in der Schweiz. Weshalb werden diese Fachleute bei der Findung nicht mit einbezogen? Ist ihr Fachwissen nicht erwünscht? „Aus Fehlern der Vergangenheit, nicht zuletzt in der öffentlichen Kommunikation der letzten Monate, haben Professor Schäfer und das Museum ihre Konsequenzen gezogen. Jetzt heißt es, den Blick nach vorn zu richten“, sagte Grütters. Hoffen wir das Beste.

 A. Canem (Chefredakteurin sowie Kulturwissenschaftlerin und Museologin)

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