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„WIR SIND EIN TOLLES TEAM“

NICOLE FAKTOR, PRÄSIDENTIN DER WIZO-DEUTSCHLAND UND WIZO-FRANKFURT

Deutschland hat eine neue WIZO-Präsidentin. im Mai dieses Jahres löste Nicole Faktor die langjährige Präsidentin Simone Graumann ab, die sich nicht mehr zur Wahl stellte, jedoch der deutschen zionistischen Frauenorganisation als Ehrenpräsidentin weiterhin zur Seite steht. Wie sie, füllt Nicole ebenfalls eine Doppelfunktion aus, als Präsidentin der örtlichen WIZO Frankfurt und der überreregionalen WIZO Deutschland.

Nicole Faktor, WIZO, WIZO Frankfurt
Nicole Faktor.        Foto: A. Canem

Die WIZO, erzählt die Ende Oktober 1957 in Düsseldorf geborene Nicole Faktor, war schon als Kind Teil ihres Lebens. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in ihrer Geburtsstadt, wo sie auch eingeschult wurde. Als sie zehn Jahre alt wurde, zog sie mit ihren Eltern nach München, dort blieb sie bis zum Abitur. Ihre Mutter engagierte sich in der neuen Heimat sehr für die WIZO. So bekam Nicole bereits in jungen Jahren einen Einblick in die Arbeit der fleißigen Damen, die sich für soziale Projekte in Israel einsetzten und Spenden sammelten. „Ich lernte viele tolle Frauen kennen“, erzählt Nicole und schwärmt noch heute von Helen Israel, die das Vorbild vieler WIZO-Frauen ist.

 

Gegründet wurde die „Women’s International Zionist Organisation“ 1920 in Großbritannien auf Initiative von Vera Weizmann, der Ehefrau von Chaim Weizman, Rebecca Sieff, Edith Eder, Romana Goodman und Henrietta Irwell. 1949 wurde der Hauptsitz nach Israel verlegt. 1960 hatte Helen Israel die Idee auch einen deutschen Zweig zu gründen. Viele jüdische Frauen machten mit, unter ihnen auch Nicole Faktors Mutter. Inzwischen hat die karitative Frauenorganisation Zweige in 50 Ländern und weltweit rund 250.000 Mitglieder und ist die größte internationale Frauenorganisation der Welt. Einige Länder haben eigene Projekte, WIZO Deutschland zum Beispiel unterhält in Herzlia ein eigenes „Müttergenesungsheim“ das 1967 gegründet wurde. Aber auch zahlreiche andere Projekte, wie zum Beispiel Kindergärten, Tageszentren für Schüler, Jugendclubs, auch Schulen und Internate sowie Therapiezentren für Jugendliche und deren Mütter aus Problemfamilien. Juristische Beratungsstellen und Ausbildungsstätten ermutigen vor allem Frauen, sich weiter zu bilden, um sich auch auf lokaler wie natio­naler Ebene zu engagieren oder sich für öffentliche Ämter zu entscheiden.

 

Das alles kostet viel Geld. Fundraising kann viele Gesichter haben. In Deutschland organisiert die WIZO gesellige Zusammenkünfte, Buchlesungen, Ausflüge, Basare und Galaveranstaltungen zugunsten von Kindern in Israel. Die so zusammen gekommenen Spenden helfen Neuankömmlingen sowie Kindern und Jugendlichen aus ärmeren oder zerrütteten Familien sowie deren Mütter wieder ein normales Leben führen zu können. Nicole Faktor kennt die Schwierigkeiten. Sie arbeitet bereits seit Jahren im Vorstand der WIZO Frankfurt und der WIZO Deutschland mit und weiß, wie groß die Anstrengungen jedesmal sind, um genügend Spenden zusammen zu bringen. Nach der letzten großen Tagung der weltweiten WIZO-Föderation in Israel, bei der sie als Delegierte dabei war, besuchte sie anschließend das Jugenddorf „Hadassim“, ebenfalls ein Projekt des deutschen Zweiges. „Dort entsteht“, freut sie sich, ein Wohnheim für 27 Schüler, das schon bald bezogen werden kann. „Zuletzt erhielten wir den Zuschlag, eine Kindertagesstätte an der Universität Tel Aviv unter der WIZO-Deutschland-Flagge führen zu dürfen. Das macht uns besonders stolz, denn dort werden die Kleinsten betreut, damit sich die Mütter, die entweder Studentinnen oder Angestellte der Uni sind, sich bereits drei Monate nach der Geburt wieder dem Studium bzw. ihrem Beruf widmen können“, berichtet sie von einem weiteren Projekt.

 

Die WIZO kann auf große Erfolge zurück blicken. Das Gleichstellungsgesetz, das 1951 im israelischen Parlament verabschiedet worden war, kam auf Betreiben der WIZO zustande, wie auch das 1991 verabschiedete Gesetz zu Bekämpfung von häuslicher Gewalt in der Familie. Schon lange hat die WIZO als Nichtregierungsorganisation einen Beobachterstatus bei der UNO und einen Beraterstatus bei ECOSOS (United Nations Economic and Social Council) und ist Mitglied in der UNICEF. Eine der ersten politischen Aktivitäten der neu gewählten Präsidentin von WIZO-Deutschland war ihre Teilnahme an einer Konferenz über Frauenrechte und Empowerment, die von Varda Cywie, der Präsidentin WIZO-Belgien-Luxemburg und ihrem Komitee organisiert worden war. 70 Frauen aus der ganzen Welt saßen im Europäischen Parlament und erlebten eine mitreißende Rede der „World WIZO“-Vorsitzenden Professorin Rivka Lazovsky, die über Frauenrechte und Aufgaben der Organisation sprach. Mitten dabei war Nicole Faktor, die Präsidentin der WIZO Deutschland, die acht lokale Zweige aus Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln, München und ihrer jetzigen Heimatstadt Frankfurt präsentiert, deren Vorsitzende sie ebenfalls ist.

 

Nicole Faktor ist eine hochgebildete Frau und kennt die Welt. Nach ihrem Abitur begann sie in den USA an der Los Angeles Business School zu studieren und schloß mit einem Master of  Business Administration ab. Eine lange Zeit lebte sie in Kalifornien, später dann in New York und arbeitete in der Erwachsenenfortbildung. Dann zog sie nach Frankfurt zu ihrem Ehemann.

 

Ihn hatte sie in der Schweiz beim Skilaufen kennen gelernt. Ein Hobby, das beide bis heute verbindet. „Jeden Tag“, erzählt sie rückblickend noch heute voller Freude, „hatten wir uns in St. Moritz zum Wettlauf auf den Skiern verabredet“. Immer wieder machten sie dort Urlaub, auch mit ihren Kindern. Inzwischen sind die Beiden erwachsen. Ihre Tochter studiert in Cambridge Psychologie und Jura, ihr Sohn arbeitet in London als Investmentbanker. Nicole Faktor fliegt oft nach England. Dort besucht sie nicht nur ihre Kinder, sondern trifft sich auch mit den britischen WIZO-Damen. „Ich reise gern“, erzählt sie „am liebsten um Freunde wieder zu sehen, auch WIZO-Freundinnen, und wenn man sich vorher nicht kannte, werden sie zu Freunden“. Neulich war sie eine Woche in Israel anlässlich einer Hochzeit. Vier Tage nutzte sie, um WIZO-Projekte zu besuchen und die Vorstandsfrauen der World WIZO zu treffen.

 

Frauenpower fasziniert Nicole Faktor. So vertritt sie die WIZO auch als Beiratsmitglied in der von Astrid von Malsdorf gegründeten Organisation „Frauen mit Format“, die eng mit der Frankfurter Universität zusammenarbeitet und hilft ein Netzwerk werktätiger Frauen aufzubauen, die Entscheidungsträger sind. Und wenn im November in Berlin ein internationaler Frauenkongress stattfindet, wird auch Nicole mit dabei sein. Solche Kontakte fließen durchaus in die WIZO-Arbeit ein. So ist gemeinsam mit der Universität für das nächste Jahr eine Informationsveranstaltung geplant und mit dem Frankfurter Jüdischen Museum eine Wanderausstellung über das 100. Bestehen der WIZO. Neben einer Kunstversteigerung, deren Erlös der WIZO gespendet werden soll, Kaffeenachmittagen, Konzerten, Modenschauen oder Vorträge sind die jährlichen WIZO-Basare und die Galaveranstaltungen immer auch gesellschaftliche Höhepunkte im Leben der jeweiligen Stadt. „Wir sind ein tolles Team“, schwärmt Nicole Faktor. Gemeinsame Frauenpower kann viel zustande bringen.

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