KURDEN, UNSERE FREUNDE UND VERBÜNDETE

„Nie wieder Judenhass“ steht auf einem Plakat, das ein junger Kurde hochhält. Andere schwenken Israel-Fahnen. Auf vielen Pro-Israel Demonstrationen liefen auch Kurden mit und bekundeten eindeutig ihre Sympathie für den jüdischen Staat.

 Kurden auf einer pro-israelischen Demonstration.                                                                                                                           Foto R. Herlich
Kurden auf einer pro-israelischen Demonstration.                                                                                                                           Foto R. Herlich

Seit der Bildung der autonomen Region Kurdistan im Jahr 1970 durch Saddam Hussein und den Führern der kurdischen Parteien unter Molla M.Barzani gibt es auch eine Beziehung zwischen der autonomen Region und Israel. Noch ist „Kurdistan“ kein eigener Staat, obwohl er diesem bereits sehr ähnelt. So existiert ein Parlament, eigene Währung und eine eigene Armee. „Wir sollten die Bestrebungen der Kurden unterstützen“, forderte kürzlich Benjamin Netanjahu. Der Nahe Osten steht kurz vor einer Neuordnung. Ein kurdischer Staat würde nicht nur innerhalb der arabischen Welt destabilisierend wirken, sondern Israel auch eine kontinuierliche Lieferung von Öl und Gas garantieren. Die Türkei hat sich bereits vor Jahren unter Ministerpräsident Erdogan verpflichtet, aus dem Nordirak gefördertes Öl, das durch eine Pipeline über türkisches Gebiet zum Hafen von Ceyhan fließt, dort in Tankschiffe umzuladen und dieses nach Israel zu liefern. Aus Bagdad, wo ein Boykott Israels offizielle Staatspolitik ist, protestierte das Ministerium sofort und drohte: dafür, dass „sie Öl an Israel geliefert haben, werden sie bezahlen“. Doch längst ist der irakische Staat destabilisiert und zu schwach um gegen die Kurden vorzugehen.

 

Die freundschaftliche Beziehung zwischen Kurden und Juden hat eine lange Tradition. Zusammen mit der kurdischen Gemeinde im Iran halfen die im Nordirak lebenden Kurden kürzlich iranische Juden erneut nach Israel zu bringen. Damals, als die Baath-Partei unter Saddam Hussein im Irak herrschte, war das Staatsziel „Alle Juden ins Meer zu werfen“. In dieser Zeit begannen die Kurden einen Untergrundkampf für ihre Freiheit. Militärische Hilfe erhielten sie auch von Israel.

 

Nach dem Sturz des Diktators Hussein bekamen die Kurden in ihrem Autonomiegebiet mehr Rechte zugestanden. Sofort wurde der Kontakt zu Israel wieder aktiviert. Unter anderem halfen auch israelische Bau- und Telekommunikationsfirmen beim Aufbau der autonomen Verwaltung. Die Kurden, von denen viele zwar Muslime, jedoch keine Araber sind, sehen in Israel keinen Fremdkörper im Nahen Osten. Ganz im Gegenteil bewundern sie die Leistungen des jüdischen Staates, der für sie in vielen Bereichen, so auch in der Landwirtschaft, ein Vorbild ist und erhoffen sich auch in diesem Sektor eine Zusammenarbeit. Doch kann keiner in Frieden leben, wenn es dem aggressiven Nachbarn nicht gefällt.

 

Ein Kalifat vom Tigris bis zum Mittelmeer

Gegenwärtig ist der Irak ein politisch geschwächter Staat den die Konfrontation zwischen Schiiten und Sunniten zerreißt. Dieses Machtvakuum nutzte die Organisation „Islamischer Staat im Irak und der Levante“, die einen sunnitischen Gottesstaat zwischen Euphrat und Mittelmeer errichten will. An Macht gewann diese Bewegung, als sie sich 2012 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Anfangs kämpfte sie Seite an Seite mit der dort aus Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, trennte sich jedoch 2013 wieder, nachdem beide ihre Einflussgebiete abgesteckt hatten. Seitdem nennt sie sich nur noch „IS“ (Islamischer Staat) und konzentriert sich auf den Irak. Anführer ist der Iraker al Bagdadi, der sich „Abu Bakr“ nennt. Abu Bakr wurde nach dem Tod des Propheten Mohamed im Jahr 632 der erste Kalif und auch der heutige Abu Bakr rief bereits ein „Kalifat“ aus und ernannte sich zum „Kalifen“. Wer nicht bereit ist, nach den Vorstellungen des Islam aus dem 7. Jahrhundert zu leben, wird getötet oder verstümmelt. Bewohner flüchten vor diesem Terror, darunter Christen, Alawiten und Jesiden, die meist Kurden sind. Anschläge auf Schiiten, gemäßigte Araber und US-Soldaten sind Teil des „heiligen Krieges“. In den Reihen der IS kämpfen auch internationale Brigaden, zu der Islamisten aus Nordafrika und den Golfstaaten gehören sowie Konvertiten aus den USA und Europa. Diese sind jederzeit bereit, den Konflikt auch nach Europa zu tragen, im Irrglauben, dadurch den Weg für einen weltweiten islamistischen Gottesstaat zu ebnen. Über 400 sogenannte „Gotteskrieger“ mit deutscher Staatsbürgerschaft kämpfen mittlerweile im Nahen Osten. Sollten diese radikalisierten Kämpfer zurückkehren, ist die Gefahr von Anschlägen in Europa groß. Als IS kürzlich den britischen Entwicklungshelfer David Haines vor laufender Kamera enthauptete, erklärte Abu Bakr, dies sei als „Warnung“ an die Verbündeten Amerikas zu verstehen. Neben der humanitären Hilfe für die Flüchtlinge beschlossen der Deutsche Bundestag und weitere EU-Staaten, „die neue irakische Regierung von Ministerpräsident Al-Abadi und die kurdische Regionalregierung“ zu unterstützen. Auch Deutschland liefert jetzt Waffen an die Kurden, um sie in ihrem Kampf gegen IS zu unterstützen und schult kurdische Kämpfer in Deutschland im Umgang mit Panzerabwehr-Raketen und weiterem Kriegsmaterial. Im September beginnt die Ausbildung.

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