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„WIR ALLE MÜSSEN JETZT VORSICHT WALTEN LASSEN“

ZUM UMGANG MIT DEM CORONA-VIRUS

Jüdisches Europa im Gespräch mit Pinchas Goldschmidt, dem Oberrabbiner von Moskau und Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz CER, einer Organisation, die rund 700 orthodoxe Rabbiner aus allen Teilen Europas vertritt.

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Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt.      Foto: A. Beygang

Wir feiern demnächst Pessach, den Auszug aus Ägypten. Doch das Corona-Virus legt fast ganz Europa sowie Israel und die USA lahm. Welche Empfehlungen haben Sie für ein Gelingen des Sederabends unter diesen besonderen Umständen? In vielen jüdischen Gemeinden wie zum Beispiel in Frankfurt fallen der 1. und der 2. Seder aus.

 

Da der Corona-Virus besonders aggressiv grassiert und unsere Gesundheit bedroht, ist „social distancing“, wie es gerade in den meisten Ländern der Welt praktiziert wird, auch für unsere Gemeinden so wichtig, um gesund zu bleiben. Es ist schade, dass wir aus diesen Gründen momentan nicht als Gemeinde zusammenkommen können. Wir müssen jetzt das Beste daraus machen. Beim Seder sollte sich jeder selbst betrachten, als würde er aus Ägypten ausziehen. Das heißt, jede Familie oder auch Einzelpersonen sollen für sich den Seder feiern, in einem kleineren Maßstab, auch damit niemand unnötig gefährdet wird.

 

Normalerweise nimmt am Sederabend nicht nur die Familie teil, sondern auch Freunde und jüdische Bekannte. Sollte man in diesem Jahr auf Einladungen verzichten?

 

Ja. Diesmal ist alles anders und Seder muss in einem kleineren Maßstab gefeiert werden. Wir sollten aber schauen, dass jeder Seder feiern kann und auch genügend Essen zu Hause hat, auch wenn man nicht das Haus verlassen kann. Wenn nicht, sollten wir dafür sorgen, dass wir es wo notwendig organisieren, schicken oder vorbeibringen. Es sind vor allem unsere älteren und kranken Mitmenschen, die jetzt unsere Solidarität und unseren Zuspruch brauchen. Hier ließe sich das Gebot des Krankenbesuchs in der Thora – Bikur Cholim weiterdenken – Internet und Telefon sind dabei wichtige Hilfsmittel.

 

Welche Empfehlungen geben Sie für einen Besuch der Mikwe. Das Wasser ist ja eigentlich fließend. Darf man trotz Corona darin untertauchen und darf man neues Geschirr im Wasser kaschern?

 

In Israel etwa sind die Männer Mikwe derzeit geschlossen. Die offiziellen medizinischen Richtlinien der jeweiligen örtlichen Gesundheitsbehörden sind halachisch verbindlich und sollten, auch wenn die Anweisungen allzu vorsichtig klingen, befolgt werden. Wenn lokal der Besuch der Frauen Mikwe noch möglich ist, sollte streng überprüft werden, ob die Chlormenge im Wasser ausreicht­, und die trockenen Oberflächen der Bäder regelmäßig mit Chlor gewaschen beziehungsweise desinfiziert werden. Das sollte bei jeder einzelnen Benutzung getan werden. Wir haben hierzu sehr ausführliche Anweisungen an unsere Gemeinden gegeben. Das gleiche gilt auch für neues Geschirr. Grundsätzlich gilt: Frauen, die sich nicht wohl fühlen oder in Quarantäne sind, sollten warten, bis es ihnen besser geht oder sie aus der Quarantäne herauskommen, bevor sie eine Mikwe aufsuchen.

 

Halten Sie es als Vorbeugung gegen eine Ansteckung richtig, dass viele Synagogen jetzt ihre Pforten schließen und es keinen G‘ttesdienst gibt? Alle sprechen von einer Pandemie.

 

Ja, das ist in dieser Situation sinnvoll. Die Thora sagt eindeutig, dass man sich schützen muss. Wir alle müssen jetzt Vorsicht walten lassen. Jeder von uns ist verantwortlich für die öffentliche Gesundheit auch in unseren Gemeinden, und jeder muss dazu beitragen, um die Ausbreitung des Virus zu vermeiden.

 

Kann man die Mischna, Taanit 3:4 für eine Bewertung der Pandemie zitieren und sind die vielen Vorsichtsmaßnahmen richtig oder übertrieben?

 

Das ist sicher nicht übertrieben und durchaus eine passende Analogie zur aktuellen Corona-Krise. Was aber heute nicht mehr passt und in Zeiten einer Pandemie sogar kontraproduktiv ist, ist das Fasten. Vor allem für diejenigen, die sich in Quarantäne befinden oder mit dem Virus infiziert sind oder waren.

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