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GUSTAV HIRSCH – SCHWIEGERSOHN VON ESRIEL HILDESHEIMER

UND DIE IDEE TRANSPORTABLER KUPFERHÄUSER

„Nehmen sie ein Kupferhaus mit nach Palästina. Sie wohnen bei größter Hitze in kühlen Räumen“, warben Anfang der 30er Jahre die „Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG in der Jüdischen Rundschau“.

Jedwabne, Polen, Holocaust, Gesetz
Kupferhaus in Finow. Bauhausdirektor Walter Gropius konstruierte die äußere Form der Kupferhäuser. Foto A. Beygang

In der Architekturgeschichte des Bauhauses werden Kupferhäuser heute sehr stiefmütterlich behandelt. 1931 hatte Walter Gropius die Leitung der Kupferhausabteilung übernommen und die äußere wie innere Form der Metallhäuser optisch verbessert. Heute existieren nur noch sehr wenige Kupferhäuser, vier in Israel, der Rest in Berlin und Umland. Die meisten von ihnen stehen in Eberswalde und sind heute noch bewohnt, allerdings nicht mehr von jüdischen Eigentümern oder Mietern.

 

In einem solchen Haus zu leben ist gewöhnungsbedürftig. Die Außenwände bestehen aus Kupferblech, die Wände im Innern aus Weißblech, einer Eisen-Stahl-Legierung. Bilder aufzuhängen ist kaum möglich. Man müsste schon den Balken finden, an dem das Innenblech befestigt wurde. Hinter der Kupferfassade befand sich nach dem Vorbild mittelalterlicher Ständerfachbauten ebenfalls ein Ständerwerk aus Holz, und eine dicke Dämmschicht, in die sämtliche Kabel verlegt wurden. Die gestanzten Tapeten wiederum sind aus Blech. An diese heften die Bewohner Magnete, so wie sie heute an manchen Kühlschränken zu finden sind und befestigen damit ihre Wandzierde. Sind die Wände innen oder außen verschmutzt, waschen die Bewohner sie mit Wasser und Bürste sauber.

 

Ein Haus aus Kupfer und Wänden aus Weißblech

 

Hergestellt wurden diese außergewöhnlichen, von dem Architekten Robert Krafft und Ingenieur Friedrich Förster 1929 entworfenen und dann von dem Bauhaus­direktor Walter Gropius weiterentwickelten Häuser in Finow, einem Ort, der 1979 von Eberswalde eingemeindet wurde. Finow war ein Industriestandort. 1872 kaufte der jüdische Unternehmer Gustav Hirsch das bereits bestehende Messingwerk und die angrenzende Siedlung als Wohnort für seine Angestellten. Bleche, Drähte, Kessel, Röhren und später unter seinem Neffen Aron Hirsch auch Munitionshüllen und Granaten wurden in den „Hirsch Kupfer- und Messingwerken AG“ produziert. 1918 arbeiteten 2.390 Menschen in dem Werk, das Arons Sohn Siegmund Hirsch weiterführte. Viele Ingenieure und Arbeiter waren jüdisch. Sie hielten den Schabbat ein und die Unternehmerfamilie Hirsch spendete die Beträume. Auch eine „Schul“ gab es auf dem Gelände, Wohnhäuser für die Lehrer, eine eigene Feuerwehr, Elektrizität und eine kostenlose Wasserversorgung für sämtliche Betriebsangehörige. In einer Villa auf dem Gelände wohnte Eigentümer Hirsch mit seiner Familie, mitten unter seinen Angestellten. 2006 entdeckte die Denkmalpflege eine Sukka, die restauriert wurde.

 

Gustav Hirsch gründet mit Schwiegervater Esriel Hildesheimer Adass Jisroel

 

Hergestellt wurden diese außergewöhnlichen, von dem Architekten Robert Krafft und Ingenieur Friedrich Förster 1929 entworfenen und dann von dem Bauhaus­direktor Walter Gropius weiterentwickelten Häuser in Finow, einem Ort, der 1979 von Eberswalde eingemeindet wurde. Finow war ein Industriestandort. 1872 kaufte der jüdische Unternehmer Gustav Hirsch das bereits bestehende Messingwerk und die angrenzende Siedlung als Wohnort für seine Angestellten. Bleche, Drähte, Kessel, Röhren und später unter seinem Neffen Aron Hirsch auch Munitionshüllen und Granaten wurden in den „Hirsch Kupfer- und Messingwerken AG“ produziert. 1918 arbeiteten 2.390 Menschen in dem Werk, das Arons Sohn Siegmund Hirsch weiterführte. Viele Ingenieure und Arbeiter waren jüdisch. Sie hielten den Schabbat ein und die Unternehmerfamilie Hirsch spendete die Beträume. Auch eine „Schul“ gab es auf dem Gelände, Wohnhäuser für die Lehrer, eine eigene Feuerwehr, Elektrizität und eine kostenlose Wasserversorgung für sämtliche Betriebsangehörige. In einer Villa auf dem Gelände wohnte Eigentümer Hirsch mit seiner Familie, mitten unter seinen Angestellten. 2006 entdeckte die Denkmalpflege eine Sukka, die restauriert wurde.

 

Ein Haus aus Kupfer und Wänden aus Weißblech

 

Gebetet wurde nach dem deutschen Nussach. Gustav Hirsch, der einige Jahre in Halberstadt gelebt hatte, brachte diesen zu den jüdischen Angestellten der Messingwerke mit. An besonderen Feiertagen betete der Unternehmer auch selber vor. In Eberswalde sowie im weiten Umkreis von Finow war dagegen der polnische Ritus üblich. Bevor Hirsch sich in Finow niederließ, gründete er gemeinsam mit seinem Schwiegervater Esriel Hildesheimer, der in Halberstadt geboren worden war, in Berlin Adass Jisroel als Gegenbewegung zur dortigen reformorientierten Jüdischen Gemeinde. Das war 1869.

 

Ein Förderer der zionistischen Idee

 

Die Familie Hirsch förderte aber auch die zionistische Idee und errichtete auf ihrem Land eine Hachschara-Siedlung zur Vorbereitung für die Auswanderung nach Eretz Palästina. Vor allem Enkel Siegmund Hirsch finanzierte den jungen Chaluzim, vorwiegend Ostjuden, die Ausbildung zu Gärtnern und Landwirten. Eng verbunden war die Finower Messingsiedlung mit dem zionistisch orientierten „Messingwerk-Kreis“, dem unter anderen auch Felix Rosenblüth, der unter seinem späteren Namen Pinchas Rosen bekannte ehemalige Vorsitzende der deutschen Zionisten und spätere Justizminister Israels, sowie Hildesheimers Enkel Moses Calvary, der pädagogische Kopf der jüdischen „Blau-Weiß“-Jugendbewegung, angehörten.

 

Einige Mitglieder der Hirsch-Dynastie erkannten frühzeitig die drohende Gefahr. Siegmund Hirsch und seine Frau Luise emigrierten nach England, sein Vater blieb in Deutschland und wählte gemeinsam mit seiner Frau Amelie 1942 den Freitod. Andere Familienmitglieder, die nicht flohen, wurden, wie die meisten jüdischen Mitarbeiter der Firma, deportiert und ermordet. Doch einigen wenigen gelang Anfang der 30er Jahre die Emigration nach Eretz Israel. Mit im Gepäck hatten sie in 34 Paketen ihre eigenen transportablen Eigenheime, die sie in der neuen Heimat aufbauten. Heute gibt es allerdings nur noch drei dieser Kupferhäuser in Haifa und eines in Safed.

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