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SPATENSTICH FÜR EUROPAS GRÖßTEN JÜDISCHEN CAMPUS

Pears Jüdischer Campus, Berlin, Rabbiner Yehuda Teichtal, Chabad
„Wer baut, der zeigt Vertrauen“. Rabbiner Yehuda Teichtal eröffnet die Spatenstich-Zeremonie.                     Fotos A. Beygang

Der Himmel sah nach Regen aus. Unter Sonnenschirmen saßen und standen über 500 geladene Gäste, die zum Spatenstich des zukünftigen „Pears Jüdischer Campus“ gekommen waren. Ängstlich schauten sie nach oben, wird ihre elegante Festtagskleidung nass werden? Doch erst als alle Reden geschwungen und Rabbiner Yehuda Teichtal mit den Hauptsponsoren das Fundament mit einem Spaten symbolisch ausgehoben hatten, begann ein kurzer Schauer. Der hielt jedoch nicht lange an und beeinträchtigte dann auch das geplante Sommerfest im Freien nicht weiter. Es schien, als wenn bereits jetzt ein Segen auf dem neuen „Pears Jüdischer Campus“ liegt, der nach dem Hauptsponsor, der Pears Foundation, einer britisch-jüdischen Familie benannt wird, deren Stiftung weltweit jedes Jahr mit mehreren Millionen Euro Forschungs- und Bildungszwecke unterstützt. In Deutschland investieren sie mit diesem Campus zum ersten Mal.

 

Ein riesiger Komplex wird der neue Jüdische Campus, sechs Stockwerke hoch mit einer Nutzfläche von 7.000 Quadratmetern, sowie einem parkähnlichen Hof. Unter einem Dach beherbergt der Campus eine Kinderkrippe, einen Kindergarten, eine Grundschule und ein Gymnasium, in der die Schüler bis zum Abitur lernen können, ohne die Ausbildungsstätte wechseln zu müssen. Auch ein Jugendclub, Räumlichkeiten für Sport und Freizeitangebote sind eingeplant. Der große Saal ist Aula, Versammlungs- und Mehrzweckraum in einem. Hier können verschiedenste Feste gefeiert werden. Für das leibliche Wohl sorgt eine koschere Gaststätte. In den zwei Küchen wird Milchiges vom Fleischigen getrennt werden. Die Bibliothek, die für Schüler und für Erwachsene geöffnet ist, bietet individuelle Wissensvertiefung und beinhaltet säkulare sowie religiöse Literatur. Auch Räumlichkeiten für Sportevents und Filmvorführungen werden gebaut. „Technisch werden wir auf dem neusten Stand sein“, verspricht Rabbiner Teichtal. In enger Nachbarschaft zu dem Gebäude, wenige Schritte entfernt, gibt es ein Rabbinerseminar und eine bereits bestehende Synagoge, ein Werk des Architekten Sergei Tchoban, der auch den neuen Campus entwarf und umsetzt. Ein Honorar fordert er nicht. „Das ist meine Spende“, erklärte er. „Jüdisches Leben in Berlin zu stärken“ ist für ihn „unglaublich wichtig“.

 

Maßgeblich für die Finanzierung des Projekts sind auch die „Siemens AG“ sowie die „Bayer AG“ mit ihrer „Bayer Science & Education Foundation“, die in dem Lernzentrum eine Ausbildungsstätte für zukünftige Wissenschaftler sieht. Ihre projektbezogene Unterstützung dient dem Aufbau von „Dialog-, Lern-, Experimentier- und Diskussionsrunden, Nachmittage und Wochenenden mit wissbegierigen Kindern und Jugendlichen.“ Der Jüdische Campus Berlin wird als Teil in das von ihnen unterstützte Bildungsnetzwerk aufgenommen. Weitere Geldzuflüsse kamen von der Handwerkskammer, der Bundesrepublik, dem Land Berlin, der Deutschen Klassenlotterie, der Alexander Otto Stiftung, der Stiftung der Berliner Sparkasse und anderen Großsponsoren neben kleineren Spenden von zahlreichen Privatpersonen.

 

Vor 20 Jahren kam Rabbiner Yehuda Teichtal aus New York nach Berlin. Seine Leistung ist enorm. Unter seiner Ägide entstand das Chabad Zentrum in Berlin mit einer Ausbildungsstätte für Rabbiner, deren Absolventen wie zum Beispiel in Hamburg, jetzt ebenfalls Rabbiner ausbilden. Er baute Unterrichtsräume für Interessierte, vor allem für jüdische Studenten, die in Berlin studieren und an den Schiurim teilnehmen möchten. Auch für Übernachtungsmöglichkeiten sorgte er. Eine Mikwe und eine Synagoge entstanden ebenfalls unter seiner Leitung innerhalb des Chabad Zentrums. Auch eine Zeitschrift gibt Chabad Berlin heraus. Außerhalb des Areals in der Münsterschen Straße gibt es einen Kindergarten sowie eine Schule, auf die bereits mehrfach antisemitische Anschläge verübt wurden. Wenn der neue „Pears Jüdischer Campus“ fertig gestellt worden ist, wird es dort auch für die Kinder sicherer werden. Und noch etwas: Yehuda Teichtal amtiert auch als Rabbiner der „Jüdischen Gemeinde zu Berlin“. Während in anderen Städten Mitgliedern von Chabad Lubawitsch Aktivitäten innerhalb der Einheitsgemeinde untersagt werden, arbeitet Slichim Teichtal in Berlin als voll integriertes Mitglied mit festem Gehalt. Die Fertigstellung des Chabad Campus ist für 2020 geplant. Kindergarten und Schule werden jüdische sowie nichtjüdische Kinder aufnehmen. „Bildung, Kultur und Sport“, auf diesem „Drei-Säulen-Prinzip“ soll der Berliner Jüdische Campus basieren, erklärt Rabbiner Teichtal. In jüngster Zeit treten antisemitische Beleidigungen und Angriffe gerade in Berlin häufiger auf. Doch Rabbiner Teichtal bleibt optimistisch. „Wer baut, der zeigt Vertrauen. Wir sind hier, um eine langfristige dauerhaft lebendige jüdische Zukunft mitzugestalten, in Deutschland“. Bundesaußen­minister Heiko Maas, der zum Spatenstich kam, freut sich. „Nach dem unvorstellbaren Zivilisationsbruch der Schoa ist dies ein wahrhaft wunderbares Geschenk für uns Deutsche.“ Es sei ihm eine persönliche Verpflichtung, jeder Form von Antisemitismus und Rassismus entgegen zu treten. „Der jüdische Campus ist ein starkes Zeichen, ein dauerhaftes Bekenntnis zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland und eine Bereicherung für die Bildungslandschaft in Berlin“, so Maas und versprach: „Wir wollen dem Vertrauen gerecht werden.“

 

Noch ist die Finanzierung nicht restlos geklärt. 18 Millionen Euro kostet der Bau, aber erst 12 Millionen konnten durch Spenden für das größte jüdische Neubauprojekt in Deutschland eingenommen werden. Fundraiser Teichtal hofft auf weitere großzügige Finanzspritzen. Eine Mesusa für die Eingangstür ist bereits vorhanden. Diese überreichte Bundesaußenminister Heiko Maas nach seiner Rede Rabbiner Teichtal und erzählte dabei eine Geschichte von dem reichen persischen König Artaban, der einem Rabbiner eine kostbare Perle schenkte. „Der König bat den Rabbi, sich seinerseits durch ein Geschenk zu revanchieren. Da schenkte ihm der Rabbi eine Mesusa, einen Segensspruch auf einem Pergament, der in einem Behälter am Türpfosten jüdischer Häuser befestigt wird. Der König war ziemlich empört und sagte dem Rabbi: „Warum schenkst Du mir etwas, das keinen Wert hat?“ Der kluge Rabbi antwortete ihm: „Unsere Geschenke lassen sich nicht vergleichen. Dein Geschenk muss ich jeden Tag wie meinen Augapfel hüten, während mein Geschenk Dich behüten wird.“

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