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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

RALPH LEWIN – NEUER PRÄSIDENT DER SIG

Der 67-Jährige Ralph Lewin löste den bisherigen Präsidenten des „Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes“, Dr. Herbert Winter ab, der sich nach einer 12-jährigen Amtszeit aufgrund der Amtszeitbeschränkung nicht mehr zur Wahl stellte. „Jüdisches Europa“ sprach mit dem jetzigen Präsidenten.

Ralph Lewin, Herbert Winter, SIG, Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund
Amtsvorgänger Dr. Herbert Winter (l.) und sein Nachfolger SIG-Präsident Ralph Lewin (r.). Foto: SIG

Herr Lewin, Sie leben in Basel, einer Stadt, in der neben Zürich und Genf die drittgrößte jüdische Gemeinde existiert. Bisher sind Sie zwar als Politiker der Sozial­demokratischen Partei, als Departementsvorsteher des Wirtschafts- und Sozialdepartements der Regierung des Kantons Basel-Stadt, sowie als Leiter des Tarifverbund Nordwestschweiz, jedoch kaum als politischer Vertreter der jüdischen Interessen offiziell in Erscheinung getreten. Haben Sie innerhalb des Schweizer Israelitischen Gemeinde­bundes oder Ihrer Heimatgemeinde, der Israelitischen Gemeinde Basel, auch bereits Erfahrungen im Einsatz für jüdische Belange der Schweiz gesammelt?

 

Ich setzte und setze mich schon lange für die jüdische Gemeinschaft ein. Elf Jahre war ich Präsident des Verwaltungsrates von Tachles. Auch engagierte ich mich in der Budget- und Rechnungsprüfungskommission der Israelitischen Gemeinde Basel und das bis heute. Beim Jüdischen Turnverein kümmere ich mich um das Training für Senioren ab 40 Jahre. Bei der Frage um die Sicherheit der Gemeinde war ich ebenfalls mit eingebunden aber im Hintergrund. Es gab verschiedene Schnittstellen mit der jüdischen Gemeinschaft, so dass man mich bereits mehrfach anfragte, ob ich bereit wäre, auch ein Amt im Vorstand zu übernehmen. Da habe ich bisher stets ablehnt. Bis vor Kurzem war ich ja noch voll berufstätig und für ein Amt hätte ich damals nicht die Kapazitäten gehabt. Die Arbeit eines Präsidenten oder Vorstandsmitgliedes bedeuteten viel Arbeit und Zeitaufwand. Während meiner 12-jährigen Tätigkeit im Regierungsrat war ich zeitlich voll eingespannt. Das ist sicherlich der Grund, warum ich mich damals nicht noch mehr für die jüdische Gemeinde engagiert habe. Seit meiner Pensionierung veränderten sich die Voraussetzungen und aufgrund der vielen Anfragen war ich dann doch bereit, mich wirklich mehr für die Schweizer jüdische Gemeinschaft einzusetzen und habe dann zugesagt, zu kandidieren.

 

Wie viele Juden und Jüdinnen leben gegenwärtig in der Schweiz?

 

Der SIG vertritt 16 jüdische Gemeinden. Zusammen mit den Kindern und weiteren jüdischen Familienangehörigen rechnen wir mit einer Größenordnung von rund 12.000 Personen. Insgesamt schätzen wir, dass etwa 18.000 Juden in der Schweiz leben. Die Datenlage ist leider nicht ideal. Die Schätzung basiert aber auf Stichprobenerhebungen des Bundesamts für Statistik. Es ist trotzdem davon auszugehen, dass die Zahlen über die letzten Jahrzehnte etwa stabil geblieben sind. Gegenüber der Gesamtbevölkerungszahl ist aber sicher ein gewisser Rückgang festzustellen. Die Abwanderung ist aber nicht so dramatisch.

 

Als ich noch vor einigen Jahren die Israelitische Gemeinde Basel besuchte, um zum Beispiel in dem koscheren Restaurant zu essen, staunte ich jedesmal darüber, wie leicht ich in die Gemeinde hineinkam. Das ist inzwischen anders. Auch dort gibt es mittlerweile starke Sicherheitskontrollen. Leider ist die Bedrohung der in der Schweiz lebenden Juden und Jüdinnen durch Rechtsradikale und Islamisten stärker geworden, so dass die jüdischen Gemeinden sich vor antisemitischen Anschlägen wie überall in Europa schützen müssen. Der „Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt“ bewilligte beispielsweise kürzlich Gelder für Sicherheitsmaßnahmen.

 

Ja, die terroristische Bedrohung ist seit einigen Jahren erhöht. Das nehmen wir sehr ernst. Der Antisemitismus im Alltag ist aber doch zum Glück bei uns auf einem tieferen Niveau als in anderen Ländern. Baruch Haschem. Wir haben hier nicht dieselben Probleme. In den letzten zwei Jahren gab es etwa 40 Fälle jährlich außerhalb des Internets und davon keine tätlichen Angriffe, sondern vielmehr nur Beschimpfungen. Auch das müssen wir ernst nehmen. Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen sind leider trotzdem notwendig aufgrund der terroristischen Bedrohungslage in der Schweiz und International.

 

Der SIG war von Anfang an involviert, als es darum ging, auf der Bundesebene Lösungen zu erarbeiten. Ich selber war als Mitglied der „Arbeitsgruppe Politik“ des SIG zum Teil miteinbezogen. Das war ein schwieriger Prozess. Zuerst fühlte sich ja niemand zuständig, weder die Kantone, noch der Bund noch die Städte. Jetzt haben wir seit einem Jahr eine Rechtsgrundlage in Form einer Verordnung, die einen vorerst bescheidenen Betrag von einer halben Million Franken beinhaltet, die primär für bauliche Maßnahmen und Ausbildung zur Verfügung stehen. Nicht jedoch für laufende Sicherheitskosten. Die Situation in Basel wo die Gemeinde sich in einer akuten, äußerst schwierigen finanziellen Situation befindet, ist eine Ausnahme. Dort gewährleistet weitgehend die Polizei die Sicherheit der jüdischen Bürger. Diese Lösung ist jedoch nicht übertragbar auf andere Gemeinden und andere Kantone und Städte. Wenn sich unsere Mitglieder an den SIG wenden, leisten wir gern Unterstützung bei der Formulierung und dem Einreichen von Gesuchen. Das beinhaltet besonders die Hilfestellung für bauliche Maßnahmen. Jede Gemeinde geht dabei mit unterschiedlichsten Projekten einen eigenen Weg und der SIG bietet hierfür eine Beratung und Koordination zwischen dem Bund und der lokalen Ebene an.

 

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