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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

DIE GOLEM-LEGENDE MAL ANDERS ERZÄHLT

Isaac Bashevis Singer, Der Golem – eine Legende, Suhrkamp, Verlag, Insel-Bücherei

Buchcover Isaac Bashevis Singer „Der Golem – eine Legende“, Suhrkamp-Verlag/Insel-Bücherei, 61 Seiten, Preis: 14,00 € [D], 14,40 € [A], 20,90 SFr. (Schweiz)

In einem Kommentar zum Buch „Sefer Jezira“ entwickelte der Wormser Rabbiner Kalonymos die Idee, einen künstlichen Übermenschen zum Leben zu erwecken. Eine geglückte Erschaffung des Golems schrieb die kabbalistische Literatur allerdings erst Rabbi Löw zu, der im 16. Jahrhundert in Prag lebte.

 

Seitdem gibt es unzählige Werke, Romane, Theater­stücke und Gedichte, die sich mit diesem Thema befassen. 1969 veröffentlichte auch Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer eine Novelle über den Golem. Singer, der in einem polnisch-chassidischen Milieu aufwuchs – einer seiner Vorfahren soll sogar ein Schüler des legendären Baal Schem Tov gewesen sein – löste sich weitestgehend von den Vorstellungen der Kabbala. In seinem Buch ist der Golem zwar ein aus Lehm erschaffener Superheld, der die Juden vor einem drohenden Pogrom schützen soll. Kaum ist die Gefahr dank seiner Hilfe gebannt, prägen sich beim Golem immer stärker menschliche Züge aus. Er will Bar Mizwa machen, in den Chejder gehen, ist im Alltag aber ziemlich unbeholfen. Bekommt er den Auftrag Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, überschwemmt er damit das Haus und die Straße. Soll er Holz holen, schleppt er mehrere von ihm ausgerissene Bäume an. Rabbi Löw hat längst die Kontrolle über ihn verloren. Gemeinsam mit dem Küchenmädchen, in das sich der Android verliebt hatte, gelingt es schließlich, ihn wieder zu Staub und Lehm zerfallen zu lassen. Hier greift Singer das kontroverse Thema des Kontrollverlustes über künstliche Intelligenz auf. Erstaunlich, dass er diese moderne Novelle bereits vor 40 Jahren schrieb.

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Roman Polanski, Intrige, Kino

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