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Tausende tragen Kippa

Pro-jüdische Demonstrationen in mehreren deutschen Städten

Kollegah und Farid Bang, Skandal, Echo
400 Menschen namen bei „Thüringen trägt Kippa“ in Erfurt teil.                                                                    Foto: © Thomas Müller

Wie sicher ist Deutschland für Juden? Das wollte ein Israeli testen und zog mit einer Kippa auf dem Kopf durch Berlins Straßen. Er kam nicht weit. Ein junger Araber griff ihn an, beschimpfte den 21-Jährigen und schlug mit einem Gürtel auf ihn ein. Dieser Vorfall wurde gefilmt und löste bei vielen Juden wie Nichtjuden Empörung aus.

 

Antisemitismus gehört nicht zu unserer toleranten und demokratischen Gesellschaft, war die einhellige Meinung. Als Zeichen der Solidarität kam es in Magdeburg, Erfurt, Köln und anderen Städten Deutschlands unter dem Motto „Jeder trägt Kippa“ zu Solidaritätskundgebungen. „Jeder Mensch ob muslimisch oder nicht, ob jüdisch oder nicht, muss heute an der Seite von Juden stehen, wenn Juden angegriffen werden“ rief der Grünen-Politiker Cem Özdemir in Berlin ins Mikrofon. Rund 2.500 hatten sich in der Fasenenstraße versammelt und liefen den Ku'damm herunter. Frauen, Kinder und Männer, Juden und Nichtjuden trugen die jüdische Kopfbedeckung und zeigten damit ihren Protest gegen Antisemitismus und Judenfeindlichkeit.

 

Aber auch Rufe nach einem Israel-Boykott waren vernehmbar und Parolen die Israels als „Apartheid-Staat“ diffamierten. Auf dem Hermannsplatz in Neukölln, einem Berliner Stadtteil mit hohem Anteil arabischstämmiger Immigranten, demonstrierten Anhänger des „Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus“. Sie kamen nicht weit. Ein Passant entriss ihnen ihre Israelfahne und zerriss sie, andere bespuckten die Kippa-Träger und beschimpften sie als „Terroristen“. Nach 15 Minuten entschieden die Organisatoren die Demo abzubrechen, die Sicherheit der Teilnehmer war nicht mehr gewährleistet.

 

Ruhiger war es dagegen in Erfurt. 400 Demonstranten nahmen dort am Marsch gegen Antisemitismus teil. Darunter neben Vertretern der Kirche auch die muslimische Erfurter Ahmaddya Gemeinde sowie viele politische Fraktionen, Institutionen und engagierte Bürger aus Thüringen. Der Evangelische Kirchenkreis Erfurt gab seinen Mitarbeitern für diesen Tag frei, damit sie beim Rundgang durch die Innenstadt teilnehmen können. „Ich möchte mich bei den vielen Menschen bedanken, die am heutigen Vormittag ein starkes und wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus gesetzt haben“, sagte Thüringens Initiator Martin Kranz, „das ist erst der Anfang und wir machen weiter!“ Andere Städte wollen dem Beispiel der Berliner, Erfurter, Magdeburger und Kölner nacheifern und rufen zu weiteren Solidaritätskundgebungen auf bei der die traditionelle jüdischen Kopfbedeckung getragen werden soll. Eine solche ist zum Beispiel in Frankfurt am Main unter dem Motto „Zeig Gesicht und trage Kippa“ für den 14. Mai geplant.

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