Anzeige

Juden wollen in Europa bleiben

„Politisches Handeln“ gefordert

Der islamistische Terror greift unsere demokratische Grundordnung an und findet dabei wachsenden Zuspruch bei Muslimen der 2. Generation, die in Europa aufgewachsen sind. Schon wieder werden vor allem Juden dabei ins Visier genommen. So war es in Paris, als neben dem Attentat auf Charlie Hebdo auch Kunden und Mitarbeiter des koscheren Supermarktes „Hyper Casher“ erschossen wurden. So war es, als in Kopenhagen islamistische Extremisten während einer Bar Mizwa zwei Juden und mehrere Polizisten ermordeten und versuchten, die Synagoge zu erstürmen. 300 Gräber auf dem jüdischen Friedhof im elsässischen Sarre-Union in der Nähe von Straßburg wurden in diesem Jahr erneut geschändet. In Sarre-Union werden nach wie vornd 200 jüdische Verstorbene beerdigt. Bereits 2001 und 2008 wurden dort Gräber verwüstet und auch auf deutschen Friedhöfen toben antisemitische Vandalen.

 

Durch Angst und Terror sollen Juden aus Europa vertrieben werden. Präsident Netanjahu bekräftigte die Aufnahmebereitschaft Israels. „Französische Juden gehören zu Frankreich“, setzen der französische Staatspräsident Hollande und Innenminister Valls dagegen. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte erneut: „Wir sind froh und dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt“ und Zentralratspräsident Josef Schuster meint, jüdisches Leben ist in Deutschland so gut geschützt, dass ich derzeit keinen Anlass sehe, warum wir unsere Koffer packen sollten“.

 

In Schweden hat die Regierung den Polizeischutz für jüdische Einrichtungen und Synagogen mittels eines Sonderfonds um 300.000 Euro erhöht. Auch die Bevölkerung zeigte sich nicht nur in Paris solidarisch. 40.000 Menschen demonstrierten in Kopenhagen auf der zentralen Gedenkveranstaltung gegen antisemitische Ausschreitungen. In Oslo, in Norwegen, bildeten aufgebrachte Bürger um die Synagoge eine Menschenkette und riefen den Juden zu: „Wir beschützen euch!“ „Keiner wird uns kleinkriegen“ sagt auch Jair Melchior, Oberrabbiner von Kopenhagen, während die Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Schweden, Lena Posner-Körösi fordert „Politiker und Medien müssen sich endlich trauen, die Dinge beim Namen zu nennen“. Auch in Deutschland gibt es noch viel zu viel Rücksichten auf Islamisten. Ob jedoch wie in Braunschweig aus „Angst vor dem Terror“ die Anullierung des alljährlichen Karnevalsumzuges der richtige Weg ist, darf bezweifelt werden. Die Bürger von Mainz, Düsseldorf und Köln waren mutiger, allerdings unter verstärktem Polizeischutz.

 

Seltsam klingt ein Urteil des Wuppertaler Amtsgerichts, dass der Brandanschlag auf die dortige Synagoge nicht antisemitisch motiviert sei, obwohl die jugendlichen Täter betonten, damit „ein Zeichen“ gegen den Krieg in ihrer Heimat setzen zu wollen. „Wir machen gerade leider einmal mehr die Erfahrung, dass die Justiz nur dann handelt, wenn jüdische Stimmen aufschreien“, klagt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Wuppertal Leonid Goldberg.

 

Jetzt hat das deutsche Innenministerium eine „Antisemitismus-Kommission“ ins Leben gerufen. Kein einziger Jude ist dabei. Deshalb gründeten nun das Moses Mendelssohn-Zentrum, das American Jewish Committee und die Amadeo Antonio-Stiftung eine alternative Expertenkommission. „Der Kampf gegen Antisemitismus darf sich nicht nur in Solidaritätsbekundungen und Mahnungen bei Gedenkreden erschöpfen, sondern muss endlich politisches Handeln nach sich ziehen“, fordert der europäische Antisemitismusbeauftragte des American Jewish Committee in Brüssel.

Anzeige

Anzeige