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NEUENTDECKUNG EINER JÜDISCHEN KÜNSTLERIN

LOTTE LASERSTEIN IN FRANKFURT UND BERLIN

Lotte Laserstein
Lotte Laserstein, Selbstbildnis an der Staffelei, 1938. Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin / Michael Setzpfandt © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

„Täglich kommen rund tausend Besucher in die Ausstellung, um die Bilder von Lotte Laserstein zu sehen“, freut sich Philipp Demandt, der Direktor des Frankfurter „Städel“. Doch wer ist diese recht Unbekannte, deren Arbeiten so viele Kunstinteressierte anlockt? Geboren wurde die jüdische Künstlerin 1898 und wuchs in Danzig auf. 1912 zieht ihre Familie nach Berlin, Lotte besucht dort ein Mädchengymnasium, nach dem Abitur beginnt sie ein Studium der Kunstgeschichte. Als 1921 endlich auch Frauen an der Berliner Hochschule für die bildenden Künste zugelassen werden, wechselt sie dorthin und wird Meister­schülerin bei Erich Wolfsfeld.

 

1928 erfolgte ihr Durchbruch als Malerin. Die Kosmetikfirma „Elida“ hatte zu einem Wettbewerb aufgerufen. Lotte Laserstein bewarb sich mit dem Bild eines sich schminkenden jungen selbstbewussten russischen Mädchens, deren Familie in den 20er Jahren nach Deutschland emigriert war. Das Gemälde gefiel und die Kosmetikfirma nahm es in eine Ausstellung auf, die zu Werbezwecken in verschiedenen Städten gezeigt wurde. Mehrere Zeitschriften druckten das Werk. Zeitlebens malt Lotte Laserstein diesen für die damalige Zeit neuen Typ selbstbewusster Frauen, die ihr Leben aus eigener Kraft gestalten, als Journalistinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen oder Buchautorinnen. Und immer wieder Selbstporträts, die von dem gleichen Zeitgeist durchdrungen sind. Auch Kinder malte und zeichnete sie, von denen einige, wie das „Mädchen mit Katze“ oder der kleine „Junge mit Kasperlefigur“ von 1932/33 ihren Bekanntheitsgrad steigerten. Lotte Lasersteins Pinselführung ist im Grunde genommen nicht modern, nicht abstrakt und auch nicht avantgardistisch. Sie malte weder im Stil von George Grosz oder Jeanne Mammen, keine verlumpten Bettler, Kriegsversehrte, verruchte Szenen aus dem großstädtischen Nachtleben, sondern einfache Menschen in einem naturalistischen Stil, in dem anfangs ihre großen Vorbilder Wilhelm Leibl, Trübner oder ihr Lehrer Erich Wolfsfeld noch erkennbar sind. Und doch spiegeln sie den Geist der 20er und frühen 30er Jahre, in dem Frauen aus der bürgerlichen Enge des Hausfrauendaseins auszubrechen begannen. Das allein sowie ihr Engagement im Berliner Künst­lerinnenverein reichten den Nationalsozia­listen, Arbeiten der jüdischen Malerin als „verfemt“ auf den Index zu setzen. 1937 erhält sie die Möglichkeit in Schweden ihre Arbeiten auszustellen, sie nutzt diese Gelegenheit zur Emigration.

 

Lotte Laserstein überlebt in Schweden, ihre Schwester konnte sich in Berlin versteckt halten, die Mutter dagegen wurde in Ravensbrück ermordet. Nach dem Krieg blieb die Künstlerin in Stockholm und zog später nach Kalmar wo sie 1993 im Alter von 94 Jahren verstarb. Neue Themen waren seit ihrer Zeit in Schweden auch Landschaften und Stilleben, jedoch nie Bilder mit politischen Aussagen. 43 Einzel- und 33 Gruppenausstellungen gab es allein in Schweden, dort ist Lotte Laserstein, im Gegensatz zu Deutschland, sehr bekannt. Erst jetzt entdecken deutsche Museen ihre Werke wieder. Bis zum 17. März wird eine Auswahl ihrer wichtigsten Arbeiten im Frankfurter „Städel“ gezeigt, danach, ab April 2019, im Museum „Berlinsche Galerie“ in Berlin. Empfehlenswert ist ein Katalog, der unter dem Titel „Lotte Laserstein – von Angesicht zu Angesicht“ in Buchform im Verlag Prestel erschienen ist. Preis: 45,00 Euro [D], 46,30 Euro [AUT], 61,00 CHF (Schweiz)

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