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Gibt es auch etwas Positives an der zwangsweisen Isolierung? Ich denke hier an mehr Zeit für die Familie sowie die Beschäftigung mit der Thora und dem Talmud.

 

Absolut. Das ist das Erfreuliche in der aktuellen Situation, Familien rücken enger zusammen, tauschen sich viel intensiver aus, auch weil viele alltägliche Nebensächlichkeiten weggefallen sind. Viele, die sonst eher weniger Kontakt zu Gemeinden suchen, suchten nun Halt und Trost im Glauben und in den Traditionen des Judentums. Thora und Talmud geben Antworten, wie man diese Krise übersteht. Ich habe von vielen Familien gehört, die halachische Regeln neu entdecken, einige davon halten erstmals Schabbat-Vorschriften ein und erleben Freude daran.

 

Ist die Corona-Epedemie auch als ein Weckruf zu verstehen, sich mit der eigenen Lebensführung auseinanderzusetzen?

 

Ja, diese Pandemie stellt die ganze Welt auf den Kopf. Ich verstehe sie auch als g’ttliche Warnung an die Menschen, dass ihrem Tun Grenzen gesetzt sind und sie sich wieder mit den wichtigen Dingen im Leben beschäftigen sollten. Ich bin überzeugt, dass die Corona-Krise einen reinigenden Effekt für unsere Seele haben wird, gerade weil wir mehr Zeit für uns und unsere Familien haben und einen schärferen Blick erhalten, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.

 

Gibt es innerhalb der europäischen Rabbinerorganisation gemeinsame Gespräche über diese neue Situation und stehen Sie auch mit dem israelischen Oberrabbinat in Verbindung? Von dort kam zum Beispiel die Empfehlung keine Mesusa mehr anzufassen oder zu küssen. Gibt es weitere Empfehlungen dieser Art gegen eine mögliche Ansteckung?

 

Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit Oberrabbiner David Lau. Wegen des Coronavirus haben wir als Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) bereits Anfang März Empfehlungen zur Gesundheitsvorsorge auch bei religiösen Praktiken erlassen. So sollten Menschen, die sich nicht wohlfühlen daheim bleiben, auch wenn sie etwa in ein Kaddisch eingebunden sind. Auch raten wir davon ab, gemeinschaftlich genutzte Tallit oder die Mesusa an Türpfosten zu küssen. Zudem unterstreichen wir noch mal die Bedeutung des Händewaschens bei allen Gelegenheiten, die nach dem jüdischen Religionsgesetz, der Halacha, vorgeschrieben sind.

 

Was geschieht, wenn ein jüdischer Mensch stirbt. Darf man dann zur Beerdigung auf den Friedhof, was ja eigentlich eine Mizwe ist und darf man zur Schiwasitzung?

 

Gemeinsam mit Israels Oberrabbiner Lau haben wir verfügt, dass, um eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, eine Teilnahme an Beisetzungen nicht möglich ist, außer des notwendigen begleitenden Personals. Ein Schiwa-Besuch kann derzeit nur telefonisch oder per Internet stattfinden.

 

Was macht man mit einem Siddur, wenn man vermutet, dass dieser von jemanden angefasst wurde, der eventuell mit Corona infiziert ist. Sollte dieses Gebetbuch dann beerdigt werden, wie eine Thorarolle, die man nicht mehr benutzen kann? Was macht man aus dem gleichen Grund mit einer Haggadah?

 

Nein, das geht zu weit. Corana-Viren überleben allenfalls ein paar Tage, wobei US-Forscher von drei Tagen und deutsche Forscher sogar von neun Tagen Überlebensdauer ausgehen. In Verdachtsfällen sollte ein Siddur, eine Haggadah oder auch andere Gegenstände, die in einen eventuellen Kontakt kamen, so lange weggeschlossen werden, beziehungsweise man kann sie reinigen und desinfizieren.

  

Normalerweise soll man ja am Schabbat und Jom Tov keine elektronischen Geräte bedienen. Doch wie ist das in der Corona-Zeit? Einige Rabbiner bieten ja G‘ttesdienst und Seder-Melodien per Internet auf Online-Plattformen, WhatsApp oder Ähnliches an. Darf man sich diese anschauen?

Wird diese Form der Internet-Gemeinde als eine Gemeinde angesehen, wenn mehr als 10 Männer diese nachweisbar aufrufen?

 

Nach der Schabbat-Regel darf nichts neues vollendet werden, das beinhaltet auch ein Nutzungsverbot für elektronische Geräte, auch in Zeiten der Corona-Krise. Was aber möglich ist, auch wenn es eine Ausnahme ist und den Besuch in der Synagoge nur zeitweise ersetzt ist, den Schabbat-G’ttesdienst vorzuziehen und ihn im Internet zu übertragen. So gefällt mir die Idee des Frankfurter Rabbiners Avichai Apel ganz gut. Er feiert freitags jetzt vor Beginn des Schabbat einen G‘ttesdienst und überträgt ihn im Internet. Ein G‘ttesdienst ohne Gemeinde entspricht zwar nicht ganz dem gemeinschaftlichen Ritus. Aber ich finde, allein das gemeinsame Gebet hilft allen, die G‘ttes Nähe suchen und ihnen Kraft und Zuversicht spendet. 

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