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MEIR SHALEV

SCHRIFTSTELLER UND BLUMENFREUND

Meir Shalev, Garten, Israel, Mein Wildgarten
Meir Shalev.   Foto © Bastian Schweitzer  / Diogenes Verlag

Wenn es um Pflanzen geht, kennt Meir Shalevs Fürsorge keine Grenzen. Er hat schon so manche Pflanzenart vor dem sicheren Tod gerettet. „Einmal fuhr ich zufällig eine Straße entlang, neben der ein Bagger buddelte und massenweise Meerzwiebeln ausriss. Dort schnappte ich mir mehrere Dutzend Zwiebeln, ehe man sie mit Asphalt übergoss“, erzählt der Schriftsteller in seinem neuen Buch „Mein Wildgarten“. Ein anderes Mal stieß Shalev auf Bauarbeiter, die ein Abwasserrohr verlegten. Alpenveilchen und Meerzwiebeln lagen zwischen dem Schutt und waren dem Verdorren durch die Hitze ausgesetzt. Wieder sammelt der Blumenliebhaber die Blumen auf, pflanzt sie liebevoll in Töpfe und in seinen Garten.

 

Als Kind wollte Meir Shalev Zoologe werden. Insekten interessierten ihn besonders. Und so freut er sich noch heute, wenn er sieht wie Raupen sich in Schmetterlinge verwandeln, die, wie auch zahlreiche Bienen, Obstbaumblüten und Blumen in seinem Garten befruchten. Früher gab es zahlreiche Glühwürmchen und Ödlandschrecken, doch diese und auch viele andere Schmetterlinge sind seltener geworden, klagt Meir Shalev. So ist das Buch eine Liebeserklärung an die Fauna in Israel und vor allem an die Jesreelebene. Hier, im Emek hat er auch sein kleines Stück Land, das an die Hügelketten des Karmel grenzt. Von dort kommen die Fledermäuse, die seine Birnen fressen. Doch er freut sich, denn „sie verleihen dem Garten einen Hauch echter Wildheit“. Gäste sind dem Schriftsteller immer willkommen, vor allem Schulklassen und Kindergartengruppen. Auch Lieblingsblumen hat Shalev, und so wachsen in seinem Garten neben Oliven-, Orangen-, Zitronen- und Pekanussbäumen auch Eichen und Feigenbäume sowie zahlreiche Blumen und Kräuter. Eine Zeichnung roter Mohnpflanzen schmückt den Umschlag des Buches. Es ist wilder Klatschmohn, eine seiner bevorzugten Blumen. Shalev zitiert den Dichter Chaim Guri, der in seinem Poem „Bab el Wad“ in roten Mohnwiesen eine Erinnerung an die 1948 in dieser Region Gefallenen der Belagerung von Gusch Etzion sieht. Sehr schön sind auch die 40 Zeichnungen, die Meir Shalevs Schwester Refaella Shir für dieses Buch anfertigte, das zugleich auch von Kibbuzimen in den Anfangsjahren des israelischen Staates und seiner Landwirtschaft erzählt, von Schriftstellern und Poeten und vielen Episoden aus dem Leben des Dichters.

 

Ein Gartenratgeber ist dieses Buch nicht, auch kein botanisches Lehrbuch, doch gibt es einen Einblick in die Flora und Fauna und Denk- wie Lebensweise der Einwohner Israels. Natürlich darf auch ein großer und hoher Feigenkaktus in seinem Garten nicht fehlen. Dieser Sabre ist „nicht jüdisch, weder zionistisch noch antizionistisch, ja in Wirklichkeit überhaupt nicht heimisch“, erfährt man aus seinem Buch. Zwar stammt er ursprünglich aus Mexiko, wurde jedoch bereits seit langem ein zionistischer Begriff für jemanden, „der hier geboren und aufgewachsen“ ist, erklärt Meir Shalev, „ein freies hebräisches Kind, frei von allen Komplexen der Diaspora“. Viele Lesereisen führen den Dichter auch ins Ausland. Überall am Mittelmeer wächst diese Kakteenart. Entdeckt Gartenfreund Shalev ihn dort, „sagte ich ihm Schalom, wie einem Verwandten und Bekannten und fühlte mich einen Augenblick lang zu Hause“.

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